Freundschaft und Freunde

Am Wochenende war mein Freund und ich auf einer Geburtstagsfest von einem seiner Kollegen eingeladen. Es waren viele Leute eingeladen, Freunde, ehemalige Mitbewohner aus der WG, Freunde aus der Schulzeit und einige mehr. Es war ganz schön und endlich konnte ich wieder andere Leute sehen.
Aber es hat mir wieder gezeigt, dass ich neben meinem Freund niemand habe. Eine Bekannte geht bald nach Österreich und bleibt für einige Zeit dort. Sonst meldet sich niemand mehr anderes auf meine Nachrichten. Alle Kontakte nach der Tagesklinik und von der Tagesklinik sind schon wieder im Sand verlaufen. Aus der Uni kenne ich keine Person, daher kann sich dortige Kontakte nicht melden.
Ich habe mir den Sommer etwas anders vorgestellt. Natürlich wusste ich, dass ich selber einiges alleine machen muss, aber ich dachte ich könnte einen Verein finden. Aber die Vereine, die ich angeschrieben habe melden sich auch nicht. Daher ist alles so mühsam und ich merke wie ich komisch werde. Ich ziehe mich mehr zurück, gehe durch die Gegend ohne wirklich da zu sein. Es ist mühsam immer wieder von vorne anzufangen.
Am gleichen Tag, kurz bevor mein Freund und ich zur Geburtstagsfeier aufgebrochen sind, traf ich Nachbarn mit deren Kollegen. Das hat meine Lauen natürlich erst einmal heruntergezogen. Wie schaffen es andere Menschen so viele Freunde zu haben und mir laufen sie durch die Hand?

Der Master hat ja auch so angefangen: mit einem Zusammenbruch. Auf einmal stand ich alleine da. Nach der Erholung dachte ich auch, ich würde wenigstens mit einem Studenten irgendwas sprechen. Doch man kann noch so offen sein, wenn kein Feedback kommt, dann hilft die grösste Offenheit nichts. So kam ich schon in festgefahrene Kontakte, was es umso schwieriger macht Leute kennen zu lernen. Vielleicht gehe ich zu offensiv auf andere Menschen zu und die sind überfordert? Ich weiss es nicht.

Aber ich merke, wie ich etwas unternehmen will und vergangenes nachholen. Ich war noch nie auf einem Festival, würde gerne wieder tanzen und in den Ausgang gehen, möchte mit Freunden wandern gehen, mit Freunden ins Schwimmbad… einfache Sachen nichts aussergewöhnliches. Ich will noch nicht einmal verreisen. Ich hatte noch nie eine Clique. Jemand, der mich anruft oder schreibt wie es mir geht ohne etwas zu wollen. Eine einfache Nachricht wie ich wünsche dir einen schönen Tag. Ich hatte hätte gerne einfach Freunde um mich herum.
Ich habe auch so viel verpasst was mir jetzt fehlt. Eine Vergangenheit und eine unbeschwerte Jugend.

Mit allen eingeladenen Personen von vor drei Jahren habe ich kein Kontakt mehr. Eine davon hat etwas hinter meinem Rücken mit einem Kollegen von mir angefangen, von dem sie wusste ich finde den toll. Bzw. er wollte etwas von ihr, da er mich nicht haben wollte oder konnte und sie war bereit. Sie hat sich verliebt und ich sagte zu ihr, dass er nur etwas loses haben will. Ich war ehrlich. Zwei andere haben sich einfach nicht mehr gemeldet. Andere waren meine ehemaligen Mitbewohner.
Nach der Tagesklinik baute ich mir Kontakte auf, aber die zerflossen wieder. In der Uni habe ich mich unwohl gefühlt. Es herrscht einfach eine tiefe Einsamkeit in meinem Herzen. Ich weiss nicht wie ich wieder rauskomme.

Schreibstil? Korrektur und Kritik.

In der Schule wurde mir immer wieder gesagt, dass ich nicht gut schreiben kann. Das heisst, ich solle mehr lesen und lesen. Aber eigentlich habe ich früher schon viel gelesen. Also konnte es gar nicht daran gehabert haben. Komischerweise hiess es dann immer, dass ich das falsche lese. Nun gut, schreiben konnte ich nach Meinung meiner Lehrerin einfach nicht. Man muss schliesslich nicht alles können.
Dann kam ich auf die Universität und dort musste ich immer irgendwas schreiben. So eignete ich mir eine bestimmte Sprache an. Das nennt man wissenschaftliche Sprache und schrieb auch ab und an diesen Blog.
Wenn ich allerdings zurückblicke schrieb ich früher sehr viel bildlicher und beschreibender. Das ist nur an der Universität nicht gefordert. Dort ist es wichtiger irgendwas stichhaltig zu erklären und zu recherchieren.
Witzig ist allerdings, dass meine Noten sehr schwanken. Von einer Arbeit, die ich auch hier veröffentlicht habe, war ich absolut überzeugt. Ich fand sie toll, aber der Professor nicht und gab mir eine 3. Somit bestand ich das Seminar nicht und musste die Arbeit wiederholen. Dabei kam aber die gleiche Note heraus. Im Gegenzug habe ich auch einmal eine 5 für eine schriftliche Arbeit bekommen. Ich weiss nicht mehr den Titel oder in welchen Zusammenhang diese Arbeit war.
Auch meine Bachlelorarbeit fand ich besser als eine 4,5.

Alles in allem ist der Schreibstil individuell. Ich weiss nicht, ob ich gut schreiben kann oder nicht. Ich weiss auch nicht, ob ich gut argumentieren kann oder nicht.
Ich bin es eben leid von jeder schriftlichen Arbeit andere Kritikpunkte zu hören. Komischerweise bekomme ich nur irgendeine Note ohne überhaupt irgendwelche Kritik daran gesehen zu haben. Ich bin es auch leid, für Feedback hinterherzurennen. Es sollte Standard sein, dass man die Note begründet. Und damit meine ich keine Kommafehler, Satzstellungen und andere Wörter.  Wenn mir jemand sagt, dass die Untersuchungsmethode nicht ausgereift ist, ich daraufhin diese ändere und im der schlussendlichen Kritik dies wieder angeführt wird, dann verzweifle ich.
Also liebe Professoren: selbst in englischen Statistiken fehlt eine Untersuchungsmethode komplett. Und genau aus dieser Studie zitierte ich.

Diese Kritik ist mir nicht nur einmal aufgeführt. Wie komme ich von einer 4,5 auf eine 5? Manchmal verstehe ich das System nicht.

Meine Bewerbungsschreiben

Flexibel bin ich in der Tagesklinik geworden, da ich dort mehr über mich erfahren habe.

Dort lernte ich auch, dass ich sehr analytisch denken kann. Bisher habe ich das ja nicht so gebraucht. An der Uni wird einem ja schliesslich nur vorgekaut was man zu denken hat. In meiner Ausbildung habe ich praktisch nichts gelernt und kann daher auch nicht sagen, was ich dort an analytischen Denken hätte lernen können.

Ich habe auch gemerkt, dass ich Probleme gut auf den Punkt bringen kann. Das habe ich auch in der Tagesklinik gelernt. Dort hatten wir immer Gesprächsgruppen, in denen wir unseren Problemen stellen mussten. Dazu habe ich ihnen oft ins Auge geblickt und versucht eine Lösung dafür zu finden. Und meine Therapeutin sagt auch, dass ich sehr gut Themen auf den Punkt bringen kann.

Dazu denke ich schneller als andere. Auch das habe ich spontan in der Tagesklinik gemerkt, wie gesagt in den Gesprächsgruppen. Bisher war das auch nicht förderlich in der Universität und in der Fachschaft. Da ging sowieso nichts voran. Und wenn man etwas machen wollte, bekam man keine Antwort und alle Arbeiten fielen auf einen selber zurück. War die Arbeit und die Veranstaltung vorbei, wurde man nur darauf angesprochen, dass man selber alles gemacht hat und eh geholfen hätte – hätte, wenn das Wetter mitgespielt hätte, man Zeit gehabt hätte, die Veranstaltung irgendwo anders gewesen wäre, man gewusst hätte, dass überhaupt Hilfe benötigt gewesen wäre.

Mich selbst zu organisieren lernte ich auch in der Tagesklinik. Dort habe ich mich kennen gelernt und gelernt, wie ich etwas organisieren kann.

Zudem habe ich gelernt mit Rückschlägen klar zu kommen. So wurde ich aus einem Verein entlassen, weil ich nicht die Übersetzungsarbeit machen wollte. Ich sollte dort die Kommunikation und die Öffentlichkeitsarbeit für online und offline übernehmen.  Danach hat der Verein direkt meine Flyer, meine Postings und ähnliches gelöscht und sind nicht mehr online aufzufinden. So war man mit mir nicht zufrieden, da ich selbstständig etwas erarbeitete. Das war einfach zu viel. In einem anderen Verein hatte ich die Idee einer Veranstaltungsreihe. Nur hatte ich das Gefühl, dass das gar nicht erwünscht war. Ich bekam über die Semesterferien keine Antworten von Vereinsmitgliedern. Nach einer angebotenen Betriebsführung einer führenden Recyclingfirma antwortete auch niemand mehr. So war mein Engagement nicht erwünscht und wurde nicht mehr beachtet.

In Seminaren habe ich gelernt, dass ich alleine dastehe bei Kommentaren und Diskussionen. Bei etwas provokanten Beiträgen wurde ich daraufhin nicht mehr zu Treffen nach dem Seminar eingeladen. Gute Noten hatte ich dennoch nach den Seminaren.
Des weiteren habe ich dort gelernt, dass Studenten bei meinen interaktiven Vorträgen keine Antworten geben. So habe ich gelernt, dass man sehr alleine sein kann, wenn man an diesem System festhält.

Darüber hinaus lernte ich auch, dass man eine Depression heilen kann. Mit den richtigen Leuten um einen herum.

Auf ein Vorstellungsgespräch freue ich mich

Wenn mich da keiner anstellt.

Demotivation

Nachdem Semesterferien sind muss ich zwei Arbeiten für die Uni schreiben. Eigentlich nichts neues, aber ich befinde mich gerade in einem längeren Motivationstief. Das hält schon etwas länger an und ich weiss nicht so genau wie ich daraus komme. Die Arbeiten werde ich fertig stellen, aber es nimmt mir so viel Kraft. Ich brauche so viel Kraft um mich überhaupt zu überwinden irgendwas zu schreiben.
Das liegt nicht am Thema, das liegt nicht am Wetter, das liegt am Allgemeinen. Diese Arbeit wird, wie praktisch alle bisher geschriebenen, nur der Professor oder eine Assistentin lesen. Danach versauert sie in irgendeinem Schrank, bis sie weggeworfen wird. Niemand anderes hat dazu Zugang. Das ganze dient dazu, dass ich Noten bekomme und der Professor sieht, dass ich mich an die Formalien halte, recherchieren, schreiben und damit meine Argumente richtig ausführen kann. Alles verständlich.
Nebenbei denke ich immer mal wieder an Vorträge, die man halten muss, aber keinen Studenten interessieren. Ich gebe mir immer sehr viel Mühe, dass die Folien nach etwas aussehen und Bilder vorhanden sind. Und dann steht man vor einer Gruppe, die aus dem Fenster sieht oder sich wie Puppen in einer Stuhlreihe verhalten. Niemand antwortet, auch nach längerem warten nicht. Da habe ich das Gefühl zu trainieren wie früher. Als ich noch keine grosses Training hatte, übte ich vor Stofftieren und Puppen. Die haben mir genauso zugehört wie die Studenten in meinen Seminaren heute.
Einmal hatte ich ein zweisprachiges Seminar, in dem der Professor eine Frage stellte und der Vortragende die Frage auf der anderen Sprache nicht verstand.
In der Bibliothek habe ich das Gefühl, dass man dort lernt um zu zeigen, dass man lernt. Es ist wichtiger länger zu bleiben als andere. Da fängt der Konkurrenzgedanken schon an.

All dies zieht meine Motivation herunter. Leider kann ich auch darüber mit niemand reden, denn Kontakte zu Mitstudenten konnte ich nicht aufbauen. Ich kenne niemand wirklich aus den zwei Seminaren, in denen ich diese Arbeiten schreiben muss.

So würde ich mir wünschen, dass meine Fähigkeiten wahrgenommen und mein Wissen oder meine Intelligenz nicht in frage gestellt wird. Es ist mühsam oft genug alleine eine Stellung zu behalten und die auch noch vor Mitstudenten zu verteidigen. Nach dem Seminar geht jeder seines Weges, sodass nicht nachgefragt werden kann um eine weitere Meinung. Da ist die Einstellung „Ist doch egal, Seminar ist vorbei. Ich mach das eh nur für die Note“.
Ich lerne irgendwas für irgendwelche Prüfungen und vergesse den Grossteil sowieso. Dazu ist das grobes Wissen, das nicht in die Tiefe geht. Allgemeines Wischiwaschi. Grundlagen sind auch wichtig, aber in einem Seminar über Medien und Demokratie will ich nicht wissen was Demokratie ist. Ich will mich nicht zwei Stunden unterhalten über Demokratie und zwei weitere wie diese in anderen Ländern nicht vorhanden ist. Das habe ich in einem anderen Seminar viel spezifischer und tiefgreifender.
Ich weiss, dass Universität theoretisch ist. Darüber spreche ich aber im Moment nicht. Es geht mir im Moment über die Themen.

Mir fehlt auch das Gemeinschaftliche. Jede ist irgendwie Einzeln, bei Freundschaft ist es nur ein Zweck oder ein Ziel. Da sind zwei Punkte, die mich stören: viele Studenten befreunden sich durch eine Zweckbeziehung miteinander. Der Zweck ist, dass man das gleiche studiert, die gleichen Probleme durchmacht. Geht es um Praktikumssuche, Notenvergabe hat man direkt mit der Freundin eine Konkurrenz. Hat sie die bessere Note, hat sie das bessere Praktikum? Hat sie die schönere Wohnung später?
So bin ich nicht. Wenn jemand aus meinem Freundeskreis ein tolles Praktikum bekommt, freue ich mich. Natürlich denke ich ab und an, warum nicht ich. Aber das ist normal. Ich würde nicht so weit gehen, nicht mehr mit ihr befreundet zu sein. Mir ist auch egal was sie macht, Hauptsache ist es gefällt ihr und sie kann die Miete bezahlen. So ist es mir egal, ob wie in der Rüstungsindustrie oder in der Klopapierherstellung.
Aber so funktioniert unsere Gesellschaft nicht. Jeder besinnt sich auf sich selber, mag vorankommen, denkt an sich und wird individualistischer.
So bin ich leider nicht, und ich weiss nicht wie ich es ändern kann. Anpassen muss ich mich wahrscheinlich so oder so.
Die andere Frage ist, wie bekomme ich in so einer Einstellung wieder Motivation weiter zu machen?

Der typische Schweizer

Was ich während dem letzten Semester gelernt habe:

  1. Studenten untereinander und Nicht-Studierte verhalten sich komplett anders. Studenten sind oft abweisend zu Leuten, die mehr wissen, mehr sagen, anders sprechen; nehmen weniger Rücksicht; gesellen sich zu gleich und gleich: gleicher Kanton, gleiche Stadt, gleiches Studium mit gleichen Noten und Einstellungen; Studentinnen beobachten kritisch ihre Studentinnen und schliessen schneller andere Studentinnen aus. Dies führt zu einem hohen Konkurrenzdruck und Grüppchenbildung von Studentinnen.
  2. Studenten und Studentinnen verhalten sich komplett anders. Studentinnen eher auf Ausschluss und Neid, Studenten helfen sich und bauen Leitern um besser voranzukommen
  3. Medienstudenten sind meist Frauen, damit ist das Grüppchenbilden und der Neid noch weiter verbreitet
  4. Medienstudentinnen sind oft nicht an dem Fach interessiert, sondern um irgendwas zu studieren um irgendwas zu arbeiten. Während dem Studium wird oft beim Vater mitgearbeitet
  5. Ich bin keine typische Medienstudentin, denn ich interessiere mich für mein Thema. Ich lasse es nicht heraushängen, wenn ich teuer irgendwas gekaut habe, in welcher Wohnung ich wohne und reduziere mich nicht darauf welche schlechte Note ich geschrieben habe. Ich will wirklich gut sein, in dem was ich mache. Das führt allerdings zu Neid.
  6. Komme daher besser mit männlichen Studenten zurecht. Sie sind einfacher, man kann sagen was man denkt, Diskussionen sind erwünscht, Meinungen erforderlich. Das führt wiederum zu Neid bei Studentinnen.
  7. Für mich ist das Studium ein Dschungel mit Haien, schnellem und langsamen Wasser.
    Während dem letzten Semester lernte ich nur eine männlichen Student kennen und wir machen zusammen ein Projekt.
    Aus der Gruppe der weiblichen Studentinnen bin ich ausgestiegen, da ich mich absolut nicht behaglich fühlte. Es war eher so etwas wie unterschwelliges Mobbing.
  8. Medien und deren Theorie interessiert mich, aber die Vorlesungen haben überhaupt keine grosse Tiefe. Man lernt noch einmal den Zusammenhang von Politik und Medien und die Beeinflussung. Das ganze ist zwar auf englisch, aber das Niveau ist nicht besonders hoch.
  9. Ich bin mit Medien nicht zufrieden, obwohl es mich wirklich interessiert. Das ist das grosse Dilemma.
  10. Jeden Tag überall alleine zu sein schaffe ich auch nicht. Alleine essen, kein sozialer Kontakt zu anderen Personen während der Vorlesungspause, kein Bedarf an neuen Leuten, keine Diskussion des Inhaltes, keine weitere Diskussion bei Abbruch während der Vorlesung.
    All dies hätte ich mir gewünscht. Doch niemand gefunden, der das auch so sieht.

Die Lektion daraus ist, dass ich zwar gerne lerne es mir vom Umfeld schwer gemacht wird. Ich passe in das ganze Umfeld mit meinem Denken nicht hinein. Ich lasse mich vom Umfeld mitziehen und beeinflussen.
Meine Laune ist direkt nach dem Semester nach oben gegangen, ich bin positiver, ich lache mehr und offener. Gerne hätte ich das so während des Semester behalten.

Zurück an der Uni

Seit einem Monat, fünf Wochen, bin ich nun wieder zurück aus der Tagesklinik direkt an die Vorlesungen der Universität gegangen.
Die erste Woche war es noch aufregend und neu. Man könnte sogar sagen, dass diese Woche wirklich gut gewesen ist. Ich war offen, entgegenkommend und bereit etwas neues zu machen.
Die zweite Woche war etwas anstrengender, denn die ersten Kontakte der ersten Woche waren schon verflogen. Es wurde nicht mehr begrüsst, es gab kein lächeln. Mit den meisten Leuten aus den jeweiligen Gruppenarbeiten hatte ich auch nichts zu tun. Das hat mich schon sehr deprimiert und langsam fing die Unlust wieder an. Doch die ersten zwei Wochen waren gut bis nicht schlecht.

Alles fing in der dritten Woche an. Die war sehr anstrengend, denn ich traf auf immer mehr Ablehnung seitens meiner Mitstudenten. Es fing mit den Medien-Vorlesungen an. Ich kam mir geschnitten und ausgeschlossen vor.

In der vierten Woche wurde ich mir bewusst warum ich ausgeschlossen werde. Ich hatte mit einer Gruppe von Schweizerinnen ein Referat. Während des Referats mitten in der Pause kam das Gespräch auf Sprache. Sie unterteilten Hochdeutsch, Schweizerhochdeutsch und Bühnendeutsch. Hochdeutsch ist das Deutsch aus Deutschland, das Schweizerhochdeutsch das Hochdeutsch eines Schweizers mit Färbung und Bühnendeutsch ohne Färbung. Auf alle Fälle werde ich nun ausgeschlossen, weil ich erstens Deutsche bin, zweitens Hochdeutsch rede und drittens vom Verhalten zu Deutsch bin.

So befinde ich mich langsam wieder in der Abwärtssprirale. Es macht mich wirklich traurig, dass man nicht normal miteinander umgehen kann. Es macht mich traurig, dass ich wirklich versuche mich zu integrieren ich es in bestimmten Situationen nicht schaffe. Ich verstehe Schweizerdeutsch mit allen Dialekten. Aber anscheinend reicht das nicht, denn ich müsste mich wie ein Schweizer verhalten. Ich weiss nur nicht wie sich ein Schweizer verhält, denn ich habe sehr unterschiedliche Leute getroffen. Aber auf so eine Ablehnung bin ich bisher nicht gestossen.

So kämpfe ich jetzt damit, dass ich mit der Einsamkeit der Universität zurecht komme – alleine Essen, alleine in Vorlesungen, alleine lernen, keine Mitstudenten für Studentenparties – , mit der Ablehnung in Vorlesungen und mit der Rückfallprävention.  Ich will nicht, dass mich jemand an die Hand nimmt. Ich hätte mich um ein besseres Miteinander gefreut: gegenseitiges ansehen bei Beiträgen während des Seminars, gemeinsame Tätigkeiten nach bestimmten Vorlesungen und nicht nur für genau diesen Zeitpunkt, damit man sich später wieder nicht grüsst oder redet.

Gleichzeitig wusste ich worauf ich mich ungefähr einlasse. Aber es macht es mir wirklich sehr schwer mich wieder hineinzufinden und die Motivation der ersten Woche wiederaufleben zu lassen.

Rückblick auf eineinhalb Jahre

Manchmal ist das Leben schon eigenartig und kurvig. Nachdem ich wahnsinnige Anstrengungen am Anfang meines Masters hatte und gleich danach innerhalb von drei Monaten zu zwei Psychologen ging, geht es mir nach der Tagesklinik einfach wirklich gut. Mich wundert es immer noch, dass meine anfänglichen Depressionen nicht erkannt wurden und diese zu einer mittleren und anhaltenden chronischen Depression führten. Es war richtig mühsam alles immer wieder zu erzählen und zu erklären wie ich mich fühle. Ich fühlte mich einsam, meine damaligen Freunde waren weg, hatte mit meiner Familie keinen Kontakt, zudem haben diese mir immer wieder mehr oder weniger grosse Steine in den Weg gelegt, im Studium konnte ich nicht mehr lernen oder zuhören, war vergesslich, keine Motivation für gar nichts und hatte finanzielle Probleme. Und das ist hier nur eine Auswahl meiner Problematiken, mit denen ich zum ersten Psychologischen Dienst der Universität ging. Der Ratschlag war einfach: mehr Sport.
Dabei war ich allerdings nicht mehr fähig Sport zu machen und so zerbrach immer mehr und der Teufelskreis drehte sich immer mehr nach unten.
Bis ich dann nach drei Monaten wieder einen Anlauf nahm. Dort kam der Ratschlag, dass ich in eine Skill-Gruppe gehen und später die Probleme mit meinen Eltern aufarbeiten soll. Die Skill-Gruppe war allerdings voll und ich hätte drei Monate warten müssen.
Währenddessen konnte ich aber gar nicht mehr in irgendwelche Vorlesungen gehen, konnte nicht mehr lernen oder andere Dinge machen.
Eine einzige Person war während der ganzen Zeit hier: mein Freund. Meine einzige Unterstützung. Der Einzige, der immer zu mir gehalten hat. Egal was andere Personen zu ihm sagten. Er blieb einfach an meiner Seite, egal wie ich war. Während meiner Krankheit hatte er oft genug Gründe mich zu verlassen. Er hat es nicht getan.

Nach drei Monaten, wenn ich zurückdenke, finde ich es von dem psychologischen Dienst unverantwortlich so zu reagieren. Das sind nicht einfach Lernprobleme, sondern wirklich Gründe, bei denen sich bestimmt andere Menschen das Leben genommen hätten.
Wäre ich absolut alleine dagestanden hätte ich es irgendwie versucht. Daran gedacht habe ich öfters. Aber das ist auch ganz normal. Gemacht hätte ich es aus einem einzigen Grund nicht: mein Freund. Der einzige und alleinige Grund. Er war immer an meiner Seite.

In drei Monaten konnte ich über vieles Reden und Nachdenken. So habe ich eine wirkliche Entwicklung hinter mir. Ich bin nicht mehr in Höchstspannung, sondern  kann das Leben geniessen. Es fühlt sich manchmal wie ein anderes und neues Leben an. Ich kann wieder Träumen, kann meine Gefühle spüren und diese ausdrücken. Ich entdecke mich praktisch neu. Entdecke immer mehr Dinge, die ich gerne machen würde und merke, dass das Leben schön bunt sein kann.
Mehr oder weniger bin ich ein anderer Mensch gewesen. Die Krankheit hat eineinhalb Jahre gedauert und ich habe ein Jahr meines Masters vor mir. Meine Vorstellungen gingen absolut ins Gegenteil, aber ich muss damit leben. Ich bin weder positiv noch negativ für meine Zukunft, sondern versuche im Hier und Jetzt zu leben. Zurückblicken ist nicht so schön und macht nur traurig. Wenn ich an die verpassten Dinge denke, kann ich den jetzigen Zeitpunkt nicht mehr geniessen. Dadurch verpasse ich noch mehr Dinge.
So versuche ich Dinge auszuprobieren und zu merken, ob sie mir gefallen oder nicht. Ich will nicht mehr so viel nachdenken, sondern mich einfach spüren.

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