„Ich weiss, dass es schlecht ist“

Heute hatte ich mal wieder eine interessante Diskussion mit einer aus unserem Wohnheim. Es ging dabei um Essen von Fleisch. Ich erklärte ihr, dass das Fleisch aus dem Supermarkt keine gute Qualität hat und den Tieren es abartig schlecht geht. Und sie antwortete mir, dass sie es schon wisse. „und wenn ich mehr Geld hätte, würde ich auch teureres Fleisch kaufen.“ Worauf ich dann geantwortet habe, dass sie besseres Fleisch essen könnte und dafür dann weniger. Dann kam – Standard – „ich esse eh nicht viel Fleisch“ zurück. Worauf ich dann gesagt habe, dass sie dieses Fleisch, das Tierquälerei ist, unterstützt, in dem sie es kauft. Sie meinte, dass sie das schon wisse.
Sie ist ja nicht besonders viel Fleisch. Nur an einem Tag Salami, etwas Fleisch zum Mittagessen und zum Abendessen Wurst. So isst sie fast jeden Tag Fleisch oder Wurst. (Dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Und denn dem nicht so sein soll, der kann sie mir abhacken:))

Aber das was mir am meisten aufgestossen hat ist, dass sie einfach während unseres Gesprächs gegangen ist. Sie stand in der Tür und meinte einfach, dass sie es schon wisse, dass sie das ganze abscheuliche System unterstützt, und ist gegangen. Ich habe das aber nicht gemerkt und sprach dann einfach weiter.
So was macht man nicht.  Zu keiner Zeit. Das ist unhöflich. Man kann ja sagen, dass man nun jetzt keine Zeit hat und man abbricht oder später weitererzählt.

Solche Leute verstehe ich nicht. Wissen ganz genau, was sie den Tieren oder sonst jemand antun, und machen es dann trotzdem.  Wenn jemand es nicht weiss, dann kann man ihm das erklären. Aber nicht, wenn jemand genau weiss was er damit anrichtet. Du kannst niemand überzeugen. (Das wollte ich mit diesem Gespräch auch nicht.) Ich wollte ihr eigentlich nur erklären, dass es genau falsch ist, was sie tut. Aber genau das wusste sie vorher schon. Ich will ja niemand Fleischessen verbieten (auch wenn ich selber keines esse) aber ich will, dass die ganzen Tierquälereien aufhören. Und da liegt der Hund begraben. Wenn du auf deinen Fleischkonsum verzichtest, ist es die beste Wahl. Aber du kannst auch gute Produktion unterstützen, in dem du einfach kein Fleisch aus  Massentierhaltung kaufst. Es ist schmeckt besser, ist gesünder und es sind keine Schadstoffe und Krankheitserreger drinnen.

Naja, all dies habe ich ihr gesagt, und sie meinte sie wisse es schon. Und das ist für mich noch am schlimmsten. Du weisst genau, was drinnen ist (oder so ein bisschen) und was es mit dir anstellt und kaufst es trotzdem.

Wie kann man nur?

(Dafür, redet sie auch nicht mehr mit mir. Oder nur noch das gröbste. Und als ich dann meine Einkaufssachen ausgepackt habe, ging sie wiederum mitten im Gespräch weg)
Tolle Einstellung das.

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11 Kommentare zu „„Ich weiss, dass es schlecht ist““

  1. Hi Eva,

    Ich habe offen gestanden so ein Problem mit der Tatsache, dass dauernd Leute herkommen und mich belehren wollen: Ich bin ein großes Mädchen, ich kann mich selber informieren und bin ein viel angenehmerer Mensch wenn man nicht herkommt und mich wie ein dummes, unmüdiges Wesen behandelt das von jemandem das Heil des veganen Lebens/Vegetarismus/Jesuscoolfinden/whatever erklärt haben muss behandelt.

    Überspitzung, ich weiß, dass hast du nicht getan und das will ich dir auch gar nicht vorwerfen. Aber: Ich bin mittlerweile in soviele vollkommen abstruse Argumentationen geraten wo sich die Fronten Fleisch-Esser und Veganer gebildet haben, dass ich (und viele in meiner Umwelt) auf das Thema sensibilisiert sind und entsprechend allergisch reagieren.

    Nun zu mir: Ich kaufe FreilandEier, möglichst Bio-Fleisch und Äpfel und Birnen und Pflaumen und das ganze andere Gebüschzeug soweit möglich vom deutschen Erzeuger. Einfach weil FreilandEier besser schmecken und Äpfel aus Deutschland wie Äpfel aussehen und schmecken und weil ich Tomaten lieber hab wenn ich die Nase reinstecken kann, sie aufschneide und es riecht wie die zuhause auf dem Balkon angebauten (Es wird sicher ein paar geben die noch wissen wie Tomaten riechen und schmecken.).

    Dafür muss ich natürlich mein Essen einschränken oder umändern: Obst nur zu bestimmten Jahreszeiten, Fleisch nicht dauernd und auch mal ein paar Euro mehr hinlegen.

    Und das ist – hier schränke ich mich ein – nicht immer möglich. Am ende des Monats bleibt mir wenig anderes übrig, Bio-Katzenfutter ist für mich schlicht nicht bezahlbar und auf das Essen in der Mensa habe ich keinen Einfluß (Ad Primo hat die Mensa einen festen Rahmen pP vom Arbeitsamt und Ad Secundo ist es das mir vom Amt zustehende Mittagessen. Wenn ich nicht in der Mensa esse wirds ziemlich knapp bei mir.).

    Und hier will ich auch nichts vorgehalten bekommen, wenn ich dann mal FastFood oder billiges TK Fleisch kaufe. Ich habe schlicht und ergreifend kein schlechtes Gewissen gegenüber Tieren, wenngleich ich die Zustände auch katastrophal finde und denke das es geändert gehört. Meinen Teil tue ich, soweit möglich. Aber ich will keine Schuldgefühle eingeredet bekommen oder simulieren müssen, nur damit andere mich als vol korrekten Mensch wahrnehmen.

    Deswegen wäre ich anstelle deiner Gesprächspartnerin wahrscheinlich auch aus dem Gespräch gegangen und würde auch gar nicht darüber diskutieren wollen.
    Ich finde es ganz angenehm eine andere Meinung manchmal auch einfach akzeptieren zu können 😉

    Liebe Grüße,

    Silberaugen

    1. Tja, schön, dass du dich so einbringst um die Welt etwas besser zu machen. Genau so hilft es.
      Biokatzenfutter ist auch nicht das wichtigste im Leben.
      Und natürlich hast du keinen Einfluss auf das Mensaessen. (Genauso wie ich hier).

      Aber ich wollte niemand Schuldgefühle einreden, sondern eher darauf hinweisen. Und das war alles was ich wollte.

      1. Eva du merkst irgendwie nicht, dass du mit deinem Wunsch übers Ziel geschoßen bist. Mit oberlehrerhaften Bemerkungen wirst du niemanden missionieren können.
        Du hättest eher sagen sollen, welche Vorteile du für dich durch dein vegetarisches Leben ziehst. Dann bleibst du bei dir und lässt den anderen die Freiheit deine Sichtweise anzunehmen und sein Leben zu verändern oder die alte Lebensweise beizubehalten.

  2. letztendlich liegt die freiheit beim konsumenten, was er ißt und trinkt, was er sich kauft …
    was diese grausamkeiten wie die massentierhaltung hervorbringt, ist unser übermäßiger konsum. außerdem sind die lebensmittel viel zu billig.

    menschen machen oft widersprüchliche dinge. sie trinken zu viel alkohol, sie rauchen, sie rasen mit dem auto, sie braten in der sonne, sie versuchen mit gewalt probleme zu lösen, sie töten ihre mitgeschöpfe aus profitgier, sie holzen die wälder ab, sie schauen zu viel fern, – sitzen zu lange vorm computer, – sind spielsüchtig, sie fressen fast-food, und sie essen viel zu viel fleisch und wurst …
    das alles machen die menschen, obwohl sie wissen, dass es schlecht für sie ist, d.h. schlecht für ihre gesundhei, für ihre seele, schlecht für die umwelt und die natur.

  3. Ich finde ausbrechen indem man kein Fleisch kauft, ist für mich keine Lösung, da ich es gerne esse. Außerdem deckt Fleisch auch wichtige Spurenelemente wie Z. B. Eisen ab, die der Körper abdeckt. Vorallem bei vegan lebenden Menschen können Mangelerscheinungen auftreten.
    Wichtig wäre es nach meiner Auffassung die konfessionelle Tierhaltung artgerechter zu machen, so das jedes Tier genug Platz im Stall hat und auch mal an die frische Luft kommt. Ich denke nur an Eier, jetzt hat jedes Huhn viel mehr Platz und ist nicht mehr zusammengepfercht. Die Preise sind zwar gestiegen, aber das Gewissen stimmt.

    1. Eben, du sagst es. Wenn bei konventioneller Haltung darauf geachtet wird, werden die Preise teurer. Und dies wiederum führt dazu, dass die Konsumenten davon Abstand nehmen. Und dies führt wiederum dazu, dass es nicht durch setzbar ist.
      Und dass man komplett auf Fleisch verzichtet, habe ich auch so nicht gesagt. Ich meinte nur, dass man eben darauf achten soll woher es kommt und wie es produziert wird.

      Das Fleisch wichtige Spurenelemente hat, ist immer noch ein hartnäckiges Vorurteil. Alle Spurenelemente, die es im Fleisch gibt, sind auch in der Milch und im Käse enthalten. Also „muss“ man kein Fleisch essen um gesund zu leben.
      Bei Veganer sieht die Sache etwas anders aus. Die im Fleisch enthaltenen Spurenelemente beziehen die Veganer aus anderen Nahrungsmitteln. Und Mangelerscheinung haben die auch nicht.

      1. @deprifrei

        Aus Gewissensgründen esse ich Fleisch nur aus streng katholischer Haltung. ;-D

  4. Das ist das Problem vieler …

    Ich esse gern Fleisch und mag mich dafür nicht rechtfertigen. Weil ich Roggen über alles liebe, missioniere ich auch niemanden dahiingehend, keinen Roggen mehr zu verzehren. Und ich kenne alle Argumente für und gegen Vegetarismus/ Veganismus. Niemand muß mir die Realität erklären – ich kläre auch keinen Vegetarier darüber auf, daß Möhren sich in einer Monokultur schlecht fühlen. Auch Möhren wollen eine abwechslungsreiche Umwelt – und sie wehren sich gegen ihre Ernte, indem sie Bitterstoffe erzeugen …

    Also: Schluß mit dem Missionieren — und es lebt sich ruhiger.

    PS: hab über den deprifrei-Blog hergefunden 😉

    1. Weil Möhren sich in der Monokultur schlecht fühlen, esse ich sie. :))
      Ich wollte ja niemand davon überzeugen, zum Vegetarier zu werden, sondern einfach nur Fleisch aus artgerechter Haltung zu essen.

      Schön übrigens noch einen Leser zu bekommen. Da muss ich mich wohl bei deprifrei bedanken. (vielen dank) Und natürlich bei dir, dass du mein Geschreibsel liest.

  5. Interessantes Thema. Ich esse auch so Fleisch aus recht artungerechter Haltung. Andererseits bieten die Supermärkte auch wenig Möglichkeit für artgerechtes Fleisch. Ich glaube nur 1 Prozent des Marktes besteht aus Bio-Fleisch. Es gibt auch kaum Möglichkeiten seine Gewohnheiten umzustellen. Andererseits ist der Mensch ein Gewohnheitstier und es ist schwer sich so billiges Fleisch abzugewöhnen.
    Allerdings haste sie versucht zu missionieren, dass kommt bei den meisten Menschen nicht gut an. Und du hast die Moralkeule rausgeholt, daß stößt den meisten sauer auf.
    Mit dem erhobenen Finger veränderst du die (Fleisch)-Welt nicht.

    1. Mit billigen Fleisch ist es ein Teufelskreis. Die Verbraucher fragen nach und daher wird es angeboten. Und weil es angeboten wird kaufen es die Verbraucher.
      Da kann man auch einfach nur ausbrechen, wenn man dieses Fleisch nicht mehr kauft. Was sich wiederum sehr einfach anhört aber nicht einfach durchsetzbar ist.
      Man muss ja kein Biofleisch essen.

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