Zugfahrten

Wenn man nicht nur drei Stunden im  Zug sitzt, sonder etwas länger, dann begegnet man vielen Leuten. Mit einigen redet man, mit einigen nicht. Manchmal ist es einfach komischer Zufall, wie man mit den Mitreisenden ins Gespräch kommt.
Manchmal ist man Leidensgenosse, manchmal einfacher Geschichtenerzähler und ein anderes mal ist man eine Art Psychiater. Oft kommt ein einfach auf die Länge der Zugfahrt.

Als ich mal wieder unterwegs war, traf ich alle dieser Möglichkeiten.
Als ich Richtung Nürnberg fuhr traf ich eine Frau, die acht Monate in München eine Wohnung gesucht hatte.
Als ich in Richtung München zurückfuhr traf ich jemand mit Asperger-Syndrom. Er erzählte mir eine Stunde lang, was seine Eltern alles mit ihm machen. Ausserdem kam er dann auch noch auf seine Gescheiterte Beziehung und die nicht existenten Freunde unter den Studenten. Aber für alles was ich ihm geraten hatte, hatte er Einwände. Auf alle Fälle hat er es nicht einfach. Er steckt in einem Teufelskreis fest. Auf der einen Seite lassen ihn die Eltern nicht von der Leine und daher bekommt er keine Freunde und weil er keine Freunde bekommt ist er unglücklich. Aber seine Eltern lassen ihn nicht ausziehen.
Naja, ganz am Anfang fand ich das schon sehr eigenartig, wie er das Gespräch mit seiner Nachbarin angefangen hat. Zuerst ist mir so vorgekommen, als ob er sie anmachen würde. Aber nach fünf Minuten sprach er dann gleich über seine Probleme und dass er keine Freunde finden würde. Teufelskreis eben und er steht unter der Fuchtel der Eltern. Auch seine Betreuer stehen unter der Bewachung der Eltern.
Kurzum ich kenne nun seine kompletten Probleme, die man meistens nur mit sehr guten Freunden teilt. Er erzählte mir das innerhalb einer Stunde.
Irgendwie tat er mir wirklich leid.

Wenn man über sechs Stunden fährt und mit einem Zug, der alle paar Minuten anhält, hat man einfach keine Lust mehr. Was am beschissensten ist, dieses dauernde Anhalten. Genau das ist total anstrengend.
Aber man kommt irgendwann an.

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2 Kommentare zu “Zugfahrten”

  1. Das er keine freunde hat liegt sicher auch am asperger autismus z.B. können solche Menschen die Mimik anderer nicht lesen, was zu Problemen führen kann.

    1. Eben das hat er auch gesagt. Aber einige andere Menschen haben auch Probleme damit.
      So gibt es Menschen, die keine Gefühle haben. oder diese nur bedingt. Solche Leute können dann eben auch keine Mimik oder Emotionen bei anderen beurteilen.
      Ist alles nicht so einfach mit einer solchen Krankheit und natürlich mit Asperger Autismus.
      Leider können solche Krankheiten nicht geheilt werden. Sie sind gehandicapt fürs Leben und müssen damit klar kommen. Natürlich gilt das dann auch für die Mitmenschen.

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