Antwort auf Kommentar.

Da mein letzter Post etwas zu kurz geraten ist und ich dafür von Johannes berechtigte Rüge bekommen hatte, hier nun die Weiterführung und die Ausführung zu meiner Meinung. Hier nun die Antwort zum Kommentar.

1. Medien verbreiten Angst.
Vielleicht eine zu undifferenzierte Meinung, denn es bezieht sich nicht auf alle Medien. Die Schwierigkeit hierbei ist von den einzelnen Medien zu trennen.
Ich nehme mal das Beispiel 11. September und die Berichterstattung über Muslime danach. Dazu gibt es zahlreiche Studien, die feststellten, dass die Angst vor Terroranschläge in der deutschen Bevölkerung zugenommen hat. Gleichzeitig hat sich das Bild eines Muslims zu einem potenziellen Terroristen verschoben. Zum einen hat das mit der Finanzierung der Medien zu tun, denn durch diese Berichterstattung bekommen sie höhere Einschaltquoten, Klick-zahlen oder grösseres Verkaufsvolumen. Aber es beruht auf Desinformation. Die Schwierigkeit dabei ist, dass diese Informationen von der Bevölkerung geglaubt werden. Durch vermehrte Berichte darüber setzt sich diese falsche Informationen im Gedächtnis der Bevölkerung fest. Dabei will ich nicht zu sehr auf die Medienwirkungsforschung eingehen, allerdings ist vor allem das Agenda-Setting zu nennen. Eine kurze Abhandlung ist bei vielen Medien- und Sozialforschern zu finden, wie auch bei Peter Henning (Von der Milzbrandattacke bis zur Rentenlücke. Angst in der Mediengesellschaft).
Somit stehe ich nicht alleine da mit meiner Meinung.

2. Einseitigkeit der Berichterstattung
Vergleichen wir die heutigen Beichte der Onlineausgaben des Spiegelns, des Fokus und des Sterns über Griechenland.
Spiegel online berichtet, dass deutsche Politiker den Sparvorhaben der griechischen Regierung misstrauen. (hier) Ein weiterer Artikel geht über Russland, dass zur „grössten Sicherheitsbedrohung für die USA“ geworden ist. (hier)
Fokus hat einen Newsticker eingerichtet. Der Inhalt variiert dabei von dem Angebot Griechenland und Puerto Rico mit den USA zu tauschen und der Warnung, dass eine neues Hilfspaket teurer wird als ein Austritt Griechenlands. (hier)
Wenn man zunächst Fokus und Spiegel vergleicht, dann fällt der gleiche Tenor auf. Beide sind Griechenland-kritisch und und tendieren für den Austritt.
Der Stern berichtet auch über die Gefahr von Russland, das möglicherweise gefährlicher ist als der IS. (hier)
Auch der Stern berichtet im Ticker. Der Stern gibt in den Unterüberschriften die Urzeiten der jeweiligen Mitteilung angibt. Dagegen der Fokus hat seine Überschriften im Text nach Themen untergliedert.
Natürlich wird hier von allen Medien über die gleiche Sache berichtet. Was mich allerdings stört, und ich hoffe ich habe das hier klar gemacht, der gleiche Tenor. Da gibt es keine kritischen Stimmen und auch keine Berichte für die jeweiligen Auswirkungen. Es wird nur berichtet was zum bestimmten Zeitpunkt geschieht. Das Geschehnis wird nicht in einen grösseren Zusammenhang gebracht. Damit kann der Rezipient auch bald nichts mehr anfangen, denn er bekommt die Informationen ohne weitere Zusammenhänge und kann so nur noch Faktenwissen haben. Er kann nur noch sagen, dass etwas passiert ist, aber nicht mehr warum und welche möglichen Auswirkungen es hat.

3. Schweizer Medien berichten neutraler als deutsche Medien.
Da muss ich zuerst auf die Glaubwürdigkeit der deutschen Medien eingehen. Im Dezember 2014 untersuchte Infratest Dimap und Zapp, eine Sendung im NDR über Medien das Vertrauen in Berichterstattungen über die Ukraine-Krise. (hier) Ob diese Studie wirklich repräsentativ ist, kann bezweifelt werden. Denn sie hatte nur etwa 1000 Teilnehmer. Allerdings ist dies nicht die einzige Studie, die über sinkendes Vertrauen in deutschen Medien berichtet. Die FAZ berichtet, dass Vertrauen in Qualitätszeitungen besteht (hier) und die Zeit meint, dass Deutsche weniger Vertrauen haben (hier).
Meine These, dass Schweizer Medien neutraler berichten, wird abgeschmettert mit dem Beispiel der Abstimmung zur Einwanderung.
Zeitungen in der Schweiz waren im 18. und 19. Jahrhundert von einer Parteipresse geprägt. Erst sehr spät wurden diese Zeitungen politisch neutraler und gaben mehr und mehr ihre politische Gesinnung auf. Demnach bietet die Medienlandschaft eine grössere Variation. So gibt es rechte Zeitungen, die der SVP nahe stehen, wie Die Weltwoche oder Schweizerzeit oder rechtsliberal wie die NZZ, NZZ am Sonntag, Basler Zeitung, Blick, 20 Minuten,Neue Luzerner Zeitung. In der politischen Mitte sind etwa Der Sonntag, SonntagsZeitung, Aargauer Zeitung, St. Galler Tagblatt,Berner Zeitung, Der Bund, Le Matin, Le Matin Dimanche, Le Temps oder Le Nouvelliste.
Links sind Die Wochenzeitung und Le Courrier. Linksliberal sind Tages-Anzeiger, Die Südostschweiz, SonntagsBlick, 24 heures, Tribune de Genève,La Liberté, L’Hebdo.
Man kann nun an Hand dieser mehr oder weniger politischen Ausrichtungen feststellen, dass die Zeitungen, die der SVP nahe sind, positiv über die Initiative berichteten. Das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft untersuchte, ob Medien bei der Annahme schuldig waren (hier).
Aber neben dieser Initiative wird festgestellt, dass Ausländer, Migranten und Asylsuchende negativ in den Schweizer Medien repräsentiert werden. (hier) Da ist aber die Schweiz nicht alleine. Wann hat man das letzte mal eine deutsche Zeitung gelesen und ist auf ein positiven Bericht über Ausländer und Migranten gestossen. Dabei nehme ich die Problematik der Asylsuchenden jetzt mal aus, denn tendenziell existiert hier keine positive Berichterstattung.

4. Berichterstattung kann manchmal falsch sein.
hier nur ein kleiner Artikel von Stefan Niggemeier, ein Medienjournalist unter anderem bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der bringt diese Hypothese sehr gut auf den Punkt.

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2 Kommentare zu “Antwort auf Kommentar.”

  1. Wow, ich fuehle mich geehrt, einen Blogpost, ganz fuer mich 🙂 Spannende Argumente sind auch dabei. Wundervoll!

    Zu 1) Das ist ein ganz, ganz schwieriges Thema. Ja, die Folgen des Terroranschlags waren andere Bilder von Muslimen fuer die Oeffentlichkeit. (Btw. das erklaerte Ziel der Terroristen, wie man heute weiss). These 1 deines Posts: Daran Schlud hat das ‚Agenda-Setting‘ in Medien. Wie gehabt widerspreche ich da. Dass die Bild oder einige Medien eventuell derartiges verfolgen, geschenkt. Im grossen und ganzen war die Berichterstattung aber doch so ausgewogen, wie sie bei einem Terroranschlag sein kann (denke ich, nicht belegt). Der von dir zitierte Artikel bringt (abgesehen von der Bild und Mechanismen, wie es Menschen schaffen, Fakten zu misinterpretieren) auch nicht viel, dass die These, die Berichterstattung waere schuldig, im besonderen stuetzt (bezogen auf Medien, wie faz, Zeit, SZ usw.).
    Dass der potentielle Einfluss von Medien, die ‚Macht des Wortes‘, gefaehrlich ist, auch richtig.

    Zu 2) Da wird es nun sehr bunt: Du zitierst vor allem Ticker. Du zitierst zum IS, zu Griechenland, zu Russland, zu den USA. Wenn ein Ticker keine grosse Einbindung eines Themas liefert, sondern nur Fakten (im Falle Spiegel ist das etwa ein ‚Politiker haben gesagt, sie finden Griechenland schlecht‘). Direkt unter dem Spiegel-Artikel findet sich auch ein sehr prominenter Link zu „Hintergründe zur Griechenlandkrise – endlich verständlich“ (siehe: http://www.spiegel.de/politik/ausland/griechenland-krise-alle-antworten-zur-krise-und-den-euro-folgen-a-1042694.html#sponfakt=6 )
    Ich habe da exemplarisch mal den Reiter mit den Reformen Griechenlands und der finanziellen Belastung fuer Deutschland gelesen. Der Abschnitt zu Reformen liest sich so, wie mein Kenntnisstand ist. Der zu den Krediten koennte etwas deutlicher sein, hinsichtlich, dass MOMENTAN kein deutsches Geld in Griechenland versenkt wird – wir haben schliesslich nur Kredite vergeben. Insgesamt aber doch eine ordentliche Leistung: Fakt berichtet, Link zu Einordnung ist unter dem Artikel.
    Um es klar zu sagen: Ich finde NICHT, dass ein Medium sich selbst kritisieren muss. Der Spiegel darf eine Haltung haben. Gerade wenn der Rezipient sich nur auf die Einordnung eines Mediums in den groesseren Kontext verlaesst, geht doch die eigene Kompetenz verloren. Aber dazu in 4) mehr. Und die Komplexitaet der Medienlandschaft?

    Zu 3.1) Das ist jetzt der Punkt, wo ich dir widerspreche. In allem. Und komplett. Du magst ein relativ grosses Wissen ueber schweizer Medien besitzen, entweder unterschlaegst du aber bewusst, was es fuer vielfaeltige Modelle fuer Journalismus in D gibt oder ich kann dir hier etwas neues erzaehlen. (Das dann in 3.2)
    Aber gut, der Reihe nach. Auch hier zitierst du Studien, verknuepfst die aber falsch. Fuer sich betrachtet, haben gewinne ich aus deinen 3 Quellen folgende Erkenntnisse:
    – deutsche Vertrauen Medien nicht blind (54% haben ‚weniger Vertrauen‘)
    – das ZDF (sic!) findet heraus, dass es ein signifikant hoeheres Vertrauen in oeffentliche Berichterstattung gibt, als in private Formate
    – du hast einen Zeit-Artikel gefunden, der die selbe Studie zitiert, die in Punkt 1 genannt wird (infratest Dimap als Quelle. Die Zahlen sind quasi (53 und 54%) die selben)
    Die Studie kann man jetzt interpretieren: Nur 7% vertrauen Medien gar nicht (der Rest vertraut irgendwie, mal mehr mal weniger). 54% sind intelligent und wissen, dass man einem Artikel nicht einfach so trauen sollte, allein wegen der Moeglichkeit eines Fehlers (siehe 4). Oder eben: Ey, Alter, ueber 60% vertrauen den Medien ja ueberaupt nicht. Der Problematik sind sich Medien uebrigens afaik bewusst und versuchen, gegenzusteuern. Siehe die ZEIT, die Gastartikel von Griechen zur Situation in Griechenland bringt. Sehr erfrischend.

    Zu 3.2) Nein. Deine These, dass schweizer Medien neutraler berichten, wird ‚abgeschmettert‘, mit dem Hinweis, dass das Thema in D anders emotionalisiert als in der Schweiz und der unterschiedlichen Lage, wenn es um emotionale schweizer Themen ging. Ich fuehle mich da falsch zitiert.
    Dann wird es etwas seltsam, denn erst sagst du, dass schweizer Medien politisch neutraler wurden, um sie dann auf der politischen Landkarte zu verorten.Insgesamt sind es etwa 20 Zeitungen und Zeitschriften mit zwischen 50.000 und 700.000 (20 Minuten, die sind aber auch Ausnahme) Auflage. Fuer D argumentierst du mit 3 Magazinen. (Unterscheidung koennte sein: Zeitung: liefert Tagesgeschehen. Magazin: Kommentiert Tagesgeschehen kompakt) Ein bisschen schief, der Vergleich oder? Ich biete dir die taz, linke Tageszeitung in Genossenschaftsformat. Oder die faz/sz, Tageszeitungen mit politisch eher rechtem/linken Anspruch. Tageszeitungen gibt ja sowieso viele, Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_deutscher_Zeitungen) listet 96 mit einer Auflage von ueber 50.000 Einheiten. Oder lieber Wochenzeitschriften wie die ZEIT (die nenne ich fast zu oft) als Wochenblatt. Oder den ‚Freitag‘ ein Diskussionsmagazin. Oder moechtest du lieber etwas vom Cicero lesen? Was ich sagen will ist, der Medienpluralismus, der dir fehlt, ist durchaus vorhanden. Man sieht ihn halt nicht automatisch.
    Die taz bringt auch regelmaessig Geschichten zu gut integrierten Migranten/Fluechtlingen/linken Aktionen. Alternative Berichterstattung eben. Aber auch in anderen Medien (ZEIT, faz) habe ich in juengerer Vergangenheit (letzte 2 Wochen) positives ueber Fluechtlinge gelesen.

    Zu 4) Zum Schluss zitierst du @Niggi (sein Twittername). Lese ich regelmaessig. Die sind auch sehr wichtig. Also, Medienjournalisten. (Bildblog uws. gibt es ja auch noch). Deswegen finde ich es ja gar nicht verkehrt, dass ueber 50% den Medien nicht (mehr) blind vertrauen. Das waere mMn eben falsch.
    Dass das ZDF dennoch eine qualitativ akzeptable Quelle ist, legt der von dir oben zitierte FAZ-Artikel nahe (wenn ich mir diesen Kommentar erlauben darf :P)

    Anmerkung:
    Wenn wir die Glaubwuerdigkeitsdebatte auf einzelne Medien beschraenken hast du Recht: Die Berichterstattung ist teils einseitig, teils schlecht recherchiert und teils schlicht und ergreifend falsch. Das ist schlecht. Daraus eine Verschwoerung (‚Agenda-Setting‘) einer ganzen Branche zu konstruieren, wird der Situation nicht gerecht. Das Problem liegt nicht zentral bei den Medien, sondern in einer Gesellschaft, in der sich viele nicht mal die Muehe machen, einen Quellenlink anzuklicken (‚da ist ein Link, dann wird das schon stimmen‘). Medienkompetenz ist ein wichtiges Gut, diese wird aber nur sehr begrenzt, bzw. gar nicht vermittelt. Und da kann man auch besser ansetzen. Denn Medien duerfen schreiben, was sie wollen. Und ich finde: Das ist auch gut so. Solange andere dies komentieren duerfen, wie sie wollen.

    PS: Das Ding von Helmut Markwort heisst Focus. Mit ‚c‘. Nicht Fokus.
    PPS: Ich stelle die Antwort so (nur mit 1/2 Links) auch auf meinen Blog, wenn du das nicht magst, sag Bescheid, dann ist er wieder weg. 😉

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