Alkohol

Mein Freund ist in einer Studentenverbindung und kennt demnach nur Leute, die auch in einer solchen Mitglied sind.
Das allein stört mich nicht besonders. Allerdings gibt es bestimmte Dinge mit denen ich nicht sonderlich gut zurecht komme.
Darunter ist der Alkoholkonsum und die Geschwindigkeit des Trinkens. So ist es normal, dass man an einem normalen Treffen bei diesen Leuten etwa drei Liter Bier trinkt. Und das in etwa vier bis fünf Stunden. Wenn es weiter geht, dann bleibt man so lange bis alles Alkoholische weg ist.
Bei einem Grillabend von einem Verbindungspärchen kommt schon einiges zusammen. Sie trinkt auch mal gerne mit. Sodass etwa eineeinhalb Flaschen Rotwein und zwischendurch drei bis fünf Biere auf sie alleine fällt. Der Freund von ihr hat da etwas mehr getrunken. All dies geschah zwar innert sechs Stunden, aber es ist ein recht hoher Konsum.
Alles in allem sind das zwar nette Menschen, aber so viel Alkohol scheint mir nicht mehr normal zu sein. Das Problem daran ist, dass ihnen die Mengen selbst nicht mehr auffallen und für sie es normal ist so zu trinken. Deshalb erzählen sie auch viel von Veranstaltungen, bei denen sie total betrunken waren oder sie sich total abgeschossen haben. Und davon gibt es eine Menge.
Man kann davon ausgehen, dass bei jedem Stamm man selber zwischen sehr betrunken oder absolut betrunken nach hause geht. Mein Freund hat mir das so erklärt, dass man sich frei und unantastbar fühlt.
Für mich macht es allerdings einen Unterschied zwischen diesen, für sie normalen Mengen, und vier Bier innert vier Stunden. Ich selber gehe auch gerne in die Bar und trinke Bier oder Wein. So können die aber gar nicht mehr weggehen, denn sie sind es sich gewöhnt, dass nach jedem leeren Glas ein neues gefülltes vorhanden ist. So verhalten die sich auch im Ausgang. Da hat es dazwischen relativ wenig Zeit, in der man ein leeres Glas vor sich stehen hat.
Mir kann keiner mehr erzählen, dass seine Verbindung nicht aus Säufer besteht. Die Frage ist nur in wie weit lassen sie es kommen. Denn Alkoholmissbrauch ist da absolut an der Tagesordnung. Und die wird exzessiv betrieben. Im Nachhinein ist eine Veranstaltung ohne Exzess langweilig und hatte keine gute Stimmung. Denn wenn die Stimmung gut ist wird ja viel getrunken.
Demnach kennt mein Freund nur Säufer. Ja, er ist auch selber einer. Zwar nicht mehr so wie am Anfang der Beziehung, aber wie ich gesagt habe kann ich immer nach Stämme mit einem mehr oder weniger stark Betrunkenen rechnen.
Wie ich erklärt habe stehen Frauen den Männern im nichts nach und trinken manchmal sogar mehr in einer kürzeren Zeit.

Das zweite das mich stört sind Einstellungen von bestimmten Leuten. Da ist man zum Beispiel Mitglied bei der SVP und mit einem Ausländer befreundet. Man ist sogar mit der Freundin des Ausländers befreundet. Das passt für mich nicht zusammen.
Man kann zwar mit den meisten gut diskutieren, aber ich habe genau eine andere Meinung von bestimmten Dingen.
So fühle ich mich nicht richtig passend, denn ich stehe auf verlorenem Posten. Die Gespräche sind meist gleich. Zuerst wird über alltägliches gesprochen und im Laufe des Abends mit erhöhtem Alkoholpegel wird über Politik diskutiert. Da sprechen auch Leute mit, die keine Ahnung haben und dennoch denken sie hätten sich eine Meinung gebildet. Dazwischen wird noch über Verbindungen gesprochen und deren Probleme. Manchmal fliessen Lästerreien über andere Mitglieder ein. Gerade beim letzten Thema habe ich meine Probleme, denn ich mag keine Lästerreien und ich kann nicht mitreden über Person, die ich nicht kenne.
Irgendwie finde ich es auch nicht so toll, wenn jede Erzählung über Mitglieder mit dem Grad des Betrunkenseins in Zusammenhang steht. Überall und egal was man gemacht hat, Alkohol ist immer dabei.

Nach jedem Treffen mit den Leuten, das er alleine oder wir zusammen wahrnehmen, denke ich an Trennung. Zwar weiss ich, dass mein Freund keine Studentin aus einer Verbindung nehmen wird, aber ich bin mir nicht sicher ob es doch besser wäre. So kennt sie das alles und weiss wie mit Betrunken umzugehen. Es ist eine kleine Gesellschaft mit eigenen Regeln. Und da bleibt man besser unter sich. Der andere weiss ja schliesslich, in welchem Zustand man sich nach bestimmten Anlässen befindet.
Gleichzeitig bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich über reagiere und das alles zu eng sehe. So kann man ja schliesslich total betrunken von einer Firmenfeier kommen, die jeden Monat stattfindet. Obwohl ich auch da nicht sonderliches Verständnis aufbringe.
Da er nur Verbindungsstudenten kennt ist sein Ausgang mit diesen Leuten relativ problematisch im Nachhinein. Denn auch hier denke ich an Trennung.
Meine Einstellung schwankt zwischen Trennung und doch nicht weil dies grössere Nachteile bringen würde.

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4 Kommentare zu “Alkohol”

  1. Hey! Ich gebe nun auch noch meinen Senf dazu. Ich war gerade am Gurtenfestival, als du deinen Beitrag gepostet hast. Irgendwie ironisch. Ich habe an diesem Tag gar nichts getrunken und hatte trotzdem meinen Spass. Was du hier beschreibst ist keinesfalls normal. Da kann niemand kommen und dir sagen, das wäre halt einfach so. Bullshit! Genau deswegen bin ich nicht in einer Verbindung. Vielleicht sollte sich dein Freund auch mal Gedanken machen zu seiner Gesundheit. Regelmässiger Alkoholmissbrauch kann schwerwiegende bleibende Schäden verursachen. Auch junges Alter schützt davor nicht. Es ist lustig, weil man diese Art des Exzesses auch als Alkoholproblem bezeichnen kann. Aber wenn man das jemandem sagt, der so ein Problem hat, dann kommen sofort die Ausreden. Das Problem ist, dass es in unserer Gesellschaft gewisse Feste und Situationen gibt, wo Trunkenheit als „normal“ angesehen wird. Im Kanton Freiburg ist dies das Feldschiessen (betrunkene Menschen mit Sturmgewehren, was könnte da wohl schiefgehen? LOL :D) und in München das Oktoberfest. Aber nur weil alle sagen, dass das normal ist, heisst es nicht, dass es auch so ist. Versteh mich bitte nicht falsch – ich bin auch keine frigide Klosterschwester. Und als ich 18, 19 war, hatte ich auch meine „schlimme Phase“. Aber irgendwann wird man erwachsen und hört auf damit. Ja, es kommt zwar auch bei mir vor, dass ich mal betrunken bin. Aber mittlerweile vielleicht nur noch ein paarmal im Jahr.
    Nun zu der Geschichte mit deiner Beziehung. Ich werde mir nicht anmassen, darüber zu urteilen. Aber ich kann dir sagen, dass ich in der Vergangenheit fast mit einer Frau eine Beziehung eingegangen wäre, die praktisch jedes Wochenende sternhagelvoll war. Das mag jetzt etwas sexistisch klingen, aber wenn eine Frau mehr und schneller trinkt als ich, dann ist bei mir Ende Vorstellung. Ich finde das nämlich auch äusserst belastend. Eine Beziehung basiert auf Vertrauen. Und Menschen machen dumme Sachen, wenn sie betrunken sind. So wird immer eine gewisse Unsicherheit unterschwellig vorhanden sein. Und das wird auch so bleiben. Und fang ja nicht damit an, zu glauben, das sei normal. Rede dir nicht ein, dass du es bist, die damit klarkommen muss. Regelmässiger Alkoholmissbrauch ist extrem unsexy. Ich würde mich auf eine intensive Diskussion einstellen. Denn ich kann dich sehr gut verstehen.

    1. Dene Einstellung bezüglich Frauen, die viel trinken, habe ich schon oft gehört. Da bist du nicht der einzige. Unter Männern soll das die mehrheitliche Einstellung sein.
      Gurtenfestival ist praktisch auch prädestiniert viel und komatös zu trinken. Da bewundere ich, dass du nicht dazu gehört hast.
      In der Verbindung hat bestimmt der eine oder andere ein Alkoholproblem. Die losen es aber ganz einfach, denn sie sprechen nicht darüber. Wenn der eine oder andere ein Problem hat, wird ihm einfach mehr zugebrostet. Das hilft auch nicht wirklich.
      Aber zurück.
      Wir haben immer mal wieder Diskussionen über dieses Thema. Doch es dreht sich immer um den gleichen Punkt. Er kennt nur solche Leute, die mehr als gewöhnlich trinken. Und wenn er sich mit ihnen trifft, dann ist er halt auch dabei. Zum Glück ist ihm das letztens auch selber aufgefallen und das ist zumindest der erste Schritt.

  2. Das klingt nicht gut. Du sagst ja selber „Alkoholmissbrauch“ nicht „Alkoholgebrauch“. Wenn Alkohol der Mittelpunkt jeder Versammlung ist, jeder Geschichte, und ohne gar nichts mehr geht – dann geht bald wirklich überhaupt nichts mehr ohne. Nicht mal der Fernsehfilm Abends auf dem Sofa. Retten kann man keinen der nicht will, aber bevor du selber noch mit rein gezogen wirst oder siehst wie der, den du liebst sich zu Grunde richtet und nichts dabei findet, spring lieber ab. Auch wenns erst mal richtig scheiße ist.
    Nach Überreaktion klingt es auf jeden Fall nicht für mich, es sei denn solche Exzesse finden höchstens alle zwei bis drei Monate statt. Aber es klingt mehr nach jede Woche, vielleicht sogar häufiger.
    Insgesamt klingt dass nach zwei sehr verschiedenen Welten in denen ihr lebt.

    1. Mit den zwei Welten hast du bestimmt recht. Nur, wie lange oder in wie weit wird das halten?
      Am Abend trinkt er schon kein Alkohol einfach so. Vielleicht zum Abendessen und dabei bleibt es dann.
      Die Exzesse kommen etwa drei mal im Monat vor. Erstens wenn er Stamm hat. Da verspricht er mir weniger zu trinken und lädt, wie es ein mal passiert ist, danach noch Leute auf eine Flasche Wein zu uns in die Wohnung, weil ich nicht da war. Oder geht ein anderes mal noch mit auf einen Absacker zu jemand anderes.
      Dabei haben wir auch unterschiedliche Definitionen bezüglich zu viel trinken. Er meint es ist dann zu viel, wenn er kotzt. Meine Einstellung fängt früher an, so etwa beim sechsten oder siebten Bier innert vier fünf Stunden.
      Zweitens, wenn er mit Kollegen unterwegs ist. Das macht er auch nicht mehr so häufig. Er hat eine Person, die fast alle anderen im Ausgang mitzieht. Der Kollege ist allerdings etwas weiter weg gezogen und daher sehen die beiden sich nicht mehr so oft. Und da bin ich in einer Zwickmühle, denn mein Freund soll was mit seinen Kollegen machen. So macht er erstmal Situationsvermeidung, denn er hält sich unter anderem von Schützenfeste fern. Der Grund ist klar, oder? Und da wäre es noch mehr ausgeartet als erwartete.
      Solche Situationen sind also nicht jede Woche.
      Nur komme ich weiterhin nicht damit zurecht, oder in wie weit kann ich es zulassen und akzeptieren. Und wie genau lerne ich das?

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