Integration

Langsam verzweifle ich und frage mich, was ich falsch mache. Vielleicht bin ich zu aufdringlich, zu kommunikativ, zu direkt, spreche von den falschen Dingen oder oder oder.
Warum ist es so, dass Leute im gleichen Studiengang mit denen ich schon auf Events der Fachschaft war einfach ignorieren, wenn man sie auf dem Flur trifft? Dazu zählen auch einzelne Treffen mit dem Seminar. Ganz ganz wenige begrüssen mich und es entsteht ein kleiner Small-Talk. Langsam freue ich mich sogar darüber. Ja, solche Gespräche zeigen mit, dass ich doch reden kann und nicht so ganz anders bin wie andere Leute. Aber was ist mit den anderen, von den gar nichts kommt? Keine Begrüssung oder sonstiges? Absolutes ignorieren in den Vorlesungen oder Seminaren?
Mir ist klar, dass Schweizer schon etwas zurückhaltender sind, aber so zurückhaltend müssen sie dann doch nicht sein. Es ist mühsam immer alleine unterwegs zu sein. Freundschaften und Bekanntschaften zerbrechen, das ist mir auch klar. Aber im Moment fällt es mir einfach immer wieder auf, dass keine Person um mich herum irgendwie Interesse oder ähnliches hätte.
Dieses immer-von-vorne-anfangen ist mühsam.
Ich versuche nett und zuvorkommend zu sein und mich dadurch zu integrieren. Aber ich schaffe es Partout nicht.

Mir wurde auch geraten, dass ich Sport machen soll und es mir dadurch besser geht. Also fing ich erst einmal langsam an. Allerdings auch hier sind die meisten entweder schon mit irgendwelchen Kollegen dort, oder alleine. Das ist wie alleine weggehen. Du siehst Studenten um dich herum, die alle irgendwen kennen und sich sogar begrüssen. Selber steht man daneben und kann nur zusehen. Selbst Bekannte aus dem Studium, mit denen man mal einen Vortrag oder bereits geredet hatte, grüssen nicht mehr.
So macht Sport keinen Spass. Und auch das deprimierte mich mehr, als es wirklich genutzt hat.

Nehmen wir einfach mal den Verein, in dem ich nicht mehr bin. Die ganze Organisation der Vortragsreihe des letzten Jahres war nicht so optimal. Damit habe ich nun Konsequenzen gemacht. Ich habe meine Kommunikation geändert und spreche noch im Imperativ, können, sollte und stelle Fragen wie es zu machen wäre. Somit habe ich mich auf die Kommunikationgepflogenheiten der Schweizer angepasst.

Selbst ich weiss einfach nicht mehr welche Person es wirklich ernst meint. Wenn ich mich über einen Professor aufrege, der wirklich nicht auf meine Fragen antwortet – nach direkter deutscher Art oder Schweizer Art – dann wird mir zugestimmt. Stimmen sie mir zu, weil es Konsens-fördernd ist, oder meinen sie es ernst? Stimmen sie mir zu, weil man dadurch ein Gespräch am laufen hält oder weil sie es wirklich ernst meinen?

Daraufhin meldete ich mich auf Spontacts an. Das ist eine Community bei der man Aktivitäten erstellt und andere Personen sich dazugesellen können. So habe ich mich mit einigen auf ein Cocktail-Abend, fürs Kino, Ausgang und Kaffee trinken getroffen. Alle Personen, die ich dort kennen gelernt habe, sah ich höchstens zwei mal. Auch sind daraus Whatsup-Gruppen entstanden, die zum Ziel hatten sich zu treffen. Allerdings hat man das immer noch vor. Und die absolute gleiche Einstellung war, dass man zwar neue Leute kennen lernen will, aber man alle mal in der Gruppe zusammen sehen will. Keiner übernimmt dabei die Initiative und es soll doch etwas spontan sein. Doch so funktioniert das nicht. Also existieren die Gruppen, aber seit einem halben Jahr hat es zu einem Treffen gereicht. Nicht einmal zwei oder drei. Mehr oder weniger habe ich auch in diesem Rahmen schlechte Erfahrungen gemacht.

Dann ging ich zu Meetup. Das genauso gestaltet ist, aber dennoch auf mehr Unregelmässigkeiten ausgelegt ist. Da habe ich schon noch Leute ein paar Mal gesehen und es formte sich eine Gruppe. Leider existiert diese Gruppe nicht mehr so.

Selbst an der Uni sind alle irgendwie in sich gekehrt und wollen keinen richtigen Anschluss. Viele hatten hier in der Stadt das Abitur gemacht und haben Freunde noch aus dieser Zeit. Andere, wie Erasmus-Studenten oder Verbindungsstudenten, sind sowieso unter sich. Dann bleiben also nur noch Vereine, so dachte ich. Selbst da hat man Schwierigkeiten. Und mir geht es immer schlechter.

Durch dies suche ich also vermehrt online-Kontakte. Die andere Internetseite über Nachhaltigkeit  wird jetzt mehr genutzt werden, wie auch diese Seite. Deprimierend, aber war. Ich versuche einfach wieder, dass es mir besser geht. Und ich merke, dass es mir wirklich besser geht, wenn ich schreibe – über Themen, die nichts mit Uni zu tun haben. Keine 20 Seiten blablabla, dass niemand interessiert und nur dazu da ist um mir eine Note zu geben.

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6 Kommentare zu „Integration“

  1. Wo studierst du den? Habe in der Schweiz schon extreme Unterschiede von Kanton zu Kanton bemerkt. Bin selbst auch an einen neuen Ort gezogen, an dem die Menschen kontaktfreudig sind und nicht nur in Gruppen.

    1. Studiere an zwei Orten. Ich kann schliesslich nicht sagen, dass niemand nett und freundlich ist. Aber das sind so smalltalk von denen dann doch keine Bekanntschaft entsteht. Man redet über Uni und Vorlesung, verabredet sich für die Gruppenarbeit. Aber weggehen, das macht man mit seinen Freunden. Die Freude sind WG-Kollegen oder Mitbewohner aus dem Wohnheim. Das habe ich auch nicht. Ich wohne mit meinem Freund zusammen. Da fällt schon mal viel weg. Studenten in einer Studentenverbindung gehen auch unter sich weg. Da wird man aufgenommen, oder eben nicht. So im Verein muss man erst einmal Mitglied sein. Allerdings bin ich da eingetreten damit ich etwas machen kann. Im Nachhinein denke ich, dass das ganze gar nicht erwünscht war.
      Und ja, es gibt Unterschiede, da gebe ich dir leider recht.
      Was mich allerdings erstaunt ist, dass die Fachschaft keine Anstalten für irgendwas macht und ich hatte wirklich Interesse. Nur ohne Informationen zum nächsten Treffen kann man auch nichts machen. Vielleicht sehe ich mich nur als Opfer und muss offener und es muss mir egal sein. Aber danke

  2. Den größten Teil von deinem Text dachte ich mir noch „da kannst du unmöglich gefällt mir sagen“ aber du gibst nicht auf und suchst neue Wege und Möglichkeiten. Das gefällt mir gut 🙂 Auch wenn man im Internet wenig Leute persönlich trifft, es sind immerhin Kontakte und oftmals ehrlichere als face to face.

      1. Du kannst dich auch völlig abkapseln und allem mit Gleichgültigkeit begegnen. Oder sicherlich auch die Hochschule wechseln. Aber so oder so, du kommst da schon durch. Ich drück dir die Daumen.

      2. Lange habe ich ja nicht. Aber völlig abkapseln werde ich mich wohl eher nicht. Es ist nur ein Weg weniger stark auf das ignorieren zu geben.

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