Bewerbungsprozesse

Es fängt also wieder an, der Bewerbungsprozess. Den ich so verabscheue. Ich hasse meinen Lebenslauf, da ich diesen nicht so gestalten konnte wie ich das gerne gewollt hätte. So habe ich eine Ausbildung gemacht, die mir nichts gebracht hat und ein Abitur nachgeholt. Eine Ausbildung, die meine Eltern unbedingt wollten, sodass sie mich auf einer Schule dafür angemeldet haben. Da hatte ich keine Entscheidung. Beim Termin beim Berufsberater des Arbeitsamt hiess es einfach „meine Tochter wird nicht Hotelfachangestellte.“ Diskussionen und Nachfrage seitens der Berufsberaterin führten ins nichts. Es wurde nicht zugelassen und damit wurde die Tochter nicht Hotelfachangestellte.
Während dem Praktikum in einer Firma bekam ich eine Arbeit. Ich sass den ganzen Tag sinnlos herum, kaufte Mittagessen, sortierte Gesetztestexte ein. Auch externe Mitarbeiter , die nur ab und an im Betrieb waren viel das auf und versuchten mich aufzuheitern und mit mir zu sprechen. Bei Nachfrage, ob etwas Arbeit übrig war, musste ich warten, dass eine Mitarbeiterin nach Hause geht. Denn ich hatte kein Arbeitsplatz, kein PC. Ich konnte zudem die Aktenablage des Chefs machen, da er die Angewohnheit hatte die einzelnen Blätter aus den Akten herauszunehmen und mit Zeichen zu versehen. Das Praktikum dauerte nur ein halbes Jahr, aber es wurde immer schwieriger hinzugehen. Also habe ich praktisch in dieser Zeit keine Berufserfahrung bzw. keine Erfahrung in der Berufswelt sammeln können. Da war alles negativ.
Als ich schliesslich mein Abitur abschloss arbeitete ich in einer Importfirma. Auch dort waren meine Erfahrungen im Berufsleben nicht besonders toll. Für die zugewiessene Arbeit hatte ich keine Kompetenzen sodass ich mich erst hineinarbeiten musste. Es wurde allerdings erwartet, dass ich alles schnell und fehlerfrei ablieferte.
Die Arbeitsstellen, die mir gefallen hatten – und das ist nur eine einzige – wurden mir von meinen Eltern, allen voran von meinem Vater, zunichte gemacht. So rief er einmal bei der Firma an und sagte, dass ich nicht mehr arbeiten würde. Da war ich 23. Ich bekam das wiederum von einer Angestellten der Firma gesagt. Oder er fuhr extra während meines ersten Einsatzes zum Arbeitsort und wollte mich mitnehmen nach Hause, da es schon so spät wäre. Nachdem ich mich geweigert hatte und einfach weggegangen bin, gab es massiven Ärger.
Nun habe ich keine positive Erfahrung im Berufsleben gemacht und muss erklären, warum ich mich genau bei dieser Firma bewerbe und nicht bei einer anderen. Ich muss erklären, warum die Ausbildung doch nicht so toll war und warum ich jetzt etwas anderen arbeiten will.
Das macht mich so müde, denn erstens weiss ich nicht, ob meine Erklärung der „falschen“ Ausbildung anerkannt wird und zweitens versuche ich so die Schuld zu meinen Eltern zu schieben. Damit sind wir beim nächsten Problem, dass es ganz ganz wenige Leute nachvollziehen können, dass sie sich so verhalten haben. Wenige verstehen die nicht vorhandene Beziehung zu Eltern auf Grund von Strenge. Jetzt liegt bei mir eine Person vor, die keinen Widerspruch akzeptiert, keine Diskussion zulässt und nur seine Meinung als richtig erachtet. Wenn man sie jetzt fragt, heisst es immer, dass es doch nicht so schlecht war und wenn es mir nicht gefallen hätte man dies diskutieren hätte können. Hätte man nicht. Das ist eine verschobene Realität.
Immer während des Bewerbungsprozesses geht es mir nicht gut. Nicht aufgrund, dass man eine Stelle sucht und immer wieder Absagen bekommt, sondern auf Grund dieser Tatsachen. Ich fühle mich hilflos, muss mich aber gleichzeitig gut verkaufen und erklären.
Gleichzeitig fühle ich mich nicht vorbereite für das Berufsleben. Denn de fakto habe ich keine wirkliche.
Die letzte Phase des Bewerbunsprozesses war schliesslich auch nicht erfolgreich. Auch da musse ich mich mehr mit den Eltern auseinandersetzten, die mich immer wieder bedrängt haben und unter Druck bzw. massiven Druck gesetzt haben. Jetzt mache ich etwas was ihnen nicht passt und damit haben wir sporadisch kontakt. Geburtstag, Muttertag, Weihnachten oder ähnliches tauchen wir e-mais aus. Mehr ist nicht drin. Und die kommen von meiner Mutter, da mein Vater gar nicht redet mit mir. Ich bin ja schliesslich die Tocher, die doch noch „Hotelfachangestellte“ wurde, bzw. ihn nicht um Rat fragte. DAS passt ihm nicht. So habe ich praktisch nur eine einzige Person, die hinter mir steht und hilft. Aber auch das kann ich niemand so erklären, denn die wenigen werden es verstehen.

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Ein Kommentar zu “Bewerbungsprozesse”

  1. klingt wirklich nicht so toll. aber hey! immerhin ist dein lebenslauf ein chronik schlechter wege mit wenig motivation und keine chronik offenen versagens. und auch wenn du das nicht so ganz sehen willst, das zählt alles unter „erfahrung“, wenn auch keine angenehme. aber lehrreiche

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