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Demotivation

Nachdem Semesterferien sind muss ich zwei Arbeiten für die Uni schreiben. Eigentlich nichts neues, aber ich befinde mich gerade in einem längeren Motivationstief. Das hält schon etwas länger an und ich weiss nicht so genau wie ich daraus komme. Die Arbeiten werde ich fertig stellen, aber es nimmt mir so viel Kraft. Ich brauche so viel Kraft um mich überhaupt zu überwinden irgendwas zu schreiben.
Das liegt nicht am Thema, das liegt nicht am Wetter, das liegt am Allgemeinen. Diese Arbeit wird, wie praktisch alle bisher geschriebenen, nur der Professor oder eine Assistentin lesen. Danach versauert sie in irgendeinem Schrank, bis sie weggeworfen wird. Niemand anderes hat dazu Zugang. Das ganze dient dazu, dass ich Noten bekomme und der Professor sieht, dass ich mich an die Formalien halte, recherchieren, schreiben und damit meine Argumente richtig ausführen kann. Alles verständlich.
Nebenbei denke ich immer mal wieder an Vorträge, die man halten muss, aber keinen Studenten interessieren. Ich gebe mir immer sehr viel Mühe, dass die Folien nach etwas aussehen und Bilder vorhanden sind. Und dann steht man vor einer Gruppe, die aus dem Fenster sieht oder sich wie Puppen in einer Stuhlreihe verhalten. Niemand antwortet, auch nach längerem warten nicht. Da habe ich das Gefühl zu trainieren wie früher. Als ich noch keine grosses Training hatte, übte ich vor Stofftieren und Puppen. Die haben mir genauso zugehört wie die Studenten in meinen Seminaren heute.
Einmal hatte ich ein zweisprachiges Seminar, in dem der Professor eine Frage stellte und der Vortragende die Frage auf der anderen Sprache nicht verstand.
In der Bibliothek habe ich das Gefühl, dass man dort lernt um zu zeigen, dass man lernt. Es ist wichtiger länger zu bleiben als andere. Da fängt der Konkurrenzgedanken schon an.

All dies zieht meine Motivation herunter. Leider kann ich auch darüber mit niemand reden, denn Kontakte zu Mitstudenten konnte ich nicht aufbauen. Ich kenne niemand wirklich aus den zwei Seminaren, in denen ich diese Arbeiten schreiben muss.

So würde ich mir wünschen, dass meine Fähigkeiten wahrgenommen und mein Wissen oder meine Intelligenz nicht in frage gestellt wird. Es ist mühsam oft genug alleine eine Stellung zu behalten und die auch noch vor Mitstudenten zu verteidigen. Nach dem Seminar geht jeder seines Weges, sodass nicht nachgefragt werden kann um eine weitere Meinung. Da ist die Einstellung „Ist doch egal, Seminar ist vorbei. Ich mach das eh nur für die Note“.
Ich lerne irgendwas für irgendwelche Prüfungen und vergesse den Grossteil sowieso. Dazu ist das grobes Wissen, das nicht in die Tiefe geht. Allgemeines Wischiwaschi. Grundlagen sind auch wichtig, aber in einem Seminar über Medien und Demokratie will ich nicht wissen was Demokratie ist. Ich will mich nicht zwei Stunden unterhalten über Demokratie und zwei weitere wie diese in anderen Ländern nicht vorhanden ist. Das habe ich in einem anderen Seminar viel spezifischer und tiefgreifender.
Ich weiss, dass Universität theoretisch ist. Darüber spreche ich aber im Moment nicht. Es geht mir im Moment über die Themen.

Mir fehlt auch das Gemeinschaftliche. Jede ist irgendwie Einzeln, bei Freundschaft ist es nur ein Zweck oder ein Ziel. Da sind zwei Punkte, die mich stören: viele Studenten befreunden sich durch eine Zweckbeziehung miteinander. Der Zweck ist, dass man das gleiche studiert, die gleichen Probleme durchmacht. Geht es um Praktikumssuche, Notenvergabe hat man direkt mit der Freundin eine Konkurrenz. Hat sie die bessere Note, hat sie das bessere Praktikum? Hat sie die schönere Wohnung später?
So bin ich nicht. Wenn jemand aus meinem Freundeskreis ein tolles Praktikum bekommt, freue ich mich. Natürlich denke ich ab und an, warum nicht ich. Aber das ist normal. Ich würde nicht so weit gehen, nicht mehr mit ihr befreundet zu sein. Mir ist auch egal was sie macht, Hauptsache ist es gefällt ihr und sie kann die Miete bezahlen. So ist es mir egal, ob wie in der Rüstungsindustrie oder in der Klopapierherstellung.
Aber so funktioniert unsere Gesellschaft nicht. Jeder besinnt sich auf sich selber, mag vorankommen, denkt an sich und wird individualistischer.
So bin ich leider nicht, und ich weiss nicht wie ich es ändern kann. Anpassen muss ich mich wahrscheinlich so oder so.
Die andere Frage ist, wie bekomme ich in so einer Einstellung wieder Motivation weiter zu machen?

Zurück an der Uni

Seit einem Monat, fünf Wochen, bin ich nun wieder zurück aus der Tagesklinik direkt an die Vorlesungen der Universität gegangen.
Die erste Woche war es noch aufregend und neu. Man könnte sogar sagen, dass diese Woche wirklich gut gewesen ist. Ich war offen, entgegenkommend und bereit etwas neues zu machen.
Die zweite Woche war etwas anstrengender, denn die ersten Kontakte der ersten Woche waren schon verflogen. Es wurde nicht mehr begrüsst, es gab kein lächeln. Mit den meisten Leuten aus den jeweiligen Gruppenarbeiten hatte ich auch nichts zu tun. Das hat mich schon sehr deprimiert und langsam fing die Unlust wieder an. Doch die ersten zwei Wochen waren gut bis nicht schlecht.

Alles fing in der dritten Woche an. Die war sehr anstrengend, denn ich traf auf immer mehr Ablehnung seitens meiner Mitstudenten. Es fing mit den Medien-Vorlesungen an. Ich kam mir geschnitten und ausgeschlossen vor.

In der vierten Woche wurde ich mir bewusst warum ich ausgeschlossen werde. Ich hatte mit einer Gruppe von Schweizerinnen ein Referat. Während des Referats mitten in der Pause kam das Gespräch auf Sprache. Sie unterteilten Hochdeutsch, Schweizerhochdeutsch und Bühnendeutsch. Hochdeutsch ist das Deutsch aus Deutschland, das Schweizerhochdeutsch das Hochdeutsch eines Schweizers mit Färbung und Bühnendeutsch ohne Färbung. Auf alle Fälle werde ich nun ausgeschlossen, weil ich erstens Deutsche bin, zweitens Hochdeutsch rede und drittens vom Verhalten zu Deutsch bin.

So befinde ich mich langsam wieder in der Abwärtssprirale. Es macht mich wirklich traurig, dass man nicht normal miteinander umgehen kann. Es macht mich traurig, dass ich wirklich versuche mich zu integrieren ich es in bestimmten Situationen nicht schaffe. Ich verstehe Schweizerdeutsch mit allen Dialekten. Aber anscheinend reicht das nicht, denn ich müsste mich wie ein Schweizer verhalten. Ich weiss nur nicht wie sich ein Schweizer verhält, denn ich habe sehr unterschiedliche Leute getroffen. Aber auf so eine Ablehnung bin ich bisher nicht gestossen.

So kämpfe ich jetzt damit, dass ich mit der Einsamkeit der Universität zurecht komme – alleine Essen, alleine in Vorlesungen, alleine lernen, keine Mitstudenten für Studentenparties – , mit der Ablehnung in Vorlesungen und mit der Rückfallprävention.  Ich will nicht, dass mich jemand an die Hand nimmt. Ich hätte mich um ein besseres Miteinander gefreut: gegenseitiges ansehen bei Beiträgen während des Seminars, gemeinsame Tätigkeiten nach bestimmten Vorlesungen und nicht nur für genau diesen Zeitpunkt, damit man sich später wieder nicht grüsst oder redet.

Gleichzeitig wusste ich worauf ich mich ungefähr einlasse. Aber es macht es mir wirklich sehr schwer mich wieder hineinzufinden und die Motivation der ersten Woche wiederaufleben zu lassen.

Rückblick auf eineinhalb Jahre

Manchmal ist das Leben schon eigenartig und kurvig. Nachdem ich wahnsinnige Anstrengungen am Anfang meines Masters hatte und gleich danach innerhalb von drei Monaten zu zwei Psychologen ging, geht es mir nach der Tagesklinik einfach wirklich gut. Mich wundert es immer noch, dass meine anfänglichen Depressionen nicht erkannt wurden und diese zu einer mittleren und anhaltenden chronischen Depression führten. Es war richtig mühsam alles immer wieder zu erzählen und zu erklären wie ich mich fühle. Ich fühlte mich einsam, meine damaligen Freunde waren weg, hatte mit meiner Familie keinen Kontakt, zudem haben diese mir immer wieder mehr oder weniger grosse Steine in den Weg gelegt, im Studium konnte ich nicht mehr lernen oder zuhören, war vergesslich, keine Motivation für gar nichts und hatte finanzielle Probleme. Und das ist hier nur eine Auswahl meiner Problematiken, mit denen ich zum ersten Psychologischen Dienst der Universität ging. Der Ratschlag war einfach: mehr Sport.
Dabei war ich allerdings nicht mehr fähig Sport zu machen und so zerbrach immer mehr und der Teufelskreis drehte sich immer mehr nach unten.
Bis ich dann nach drei Monaten wieder einen Anlauf nahm. Dort kam der Ratschlag, dass ich in eine Skill-Gruppe gehen und später die Probleme mit meinen Eltern aufarbeiten soll. Die Skill-Gruppe war allerdings voll und ich hätte drei Monate warten müssen.
Währenddessen konnte ich aber gar nicht mehr in irgendwelche Vorlesungen gehen, konnte nicht mehr lernen oder andere Dinge machen.
Eine einzige Person war während der ganzen Zeit hier: mein Freund. Meine einzige Unterstützung. Der Einzige, der immer zu mir gehalten hat. Egal was andere Personen zu ihm sagten. Er blieb einfach an meiner Seite, egal wie ich war. Während meiner Krankheit hatte er oft genug Gründe mich zu verlassen. Er hat es nicht getan.

Nach drei Monaten, wenn ich zurückdenke, finde ich es von dem psychologischen Dienst unverantwortlich so zu reagieren. Das sind nicht einfach Lernprobleme, sondern wirklich Gründe, bei denen sich bestimmt andere Menschen das Leben genommen hätten.
Wäre ich absolut alleine dagestanden hätte ich es irgendwie versucht. Daran gedacht habe ich öfters. Aber das ist auch ganz normal. Gemacht hätte ich es aus einem einzigen Grund nicht: mein Freund. Der einzige und alleinige Grund. Er war immer an meiner Seite.

In drei Monaten konnte ich über vieles Reden und Nachdenken. So habe ich eine wirkliche Entwicklung hinter mir. Ich bin nicht mehr in Höchstspannung, sondern  kann das Leben geniessen. Es fühlt sich manchmal wie ein anderes und neues Leben an. Ich kann wieder Träumen, kann meine Gefühle spüren und diese ausdrücken. Ich entdecke mich praktisch neu. Entdecke immer mehr Dinge, die ich gerne machen würde und merke, dass das Leben schön bunt sein kann.
Mehr oder weniger bin ich ein anderer Mensch gewesen. Die Krankheit hat eineinhalb Jahre gedauert und ich habe ein Jahr meines Masters vor mir. Meine Vorstellungen gingen absolut ins Gegenteil, aber ich muss damit leben. Ich bin weder positiv noch negativ für meine Zukunft, sondern versuche im Hier und Jetzt zu leben. Zurückblicken ist nicht so schön und macht nur traurig. Wenn ich an die verpassten Dinge denke, kann ich den jetzigen Zeitpunkt nicht mehr geniessen. Dadurch verpasse ich noch mehr Dinge.
So versuche ich Dinge auszuprobieren und zu merken, ob sie mir gefallen oder nicht. Ich will nicht mehr so viel nachdenken, sondern mich einfach spüren.

Tagesklinik update 

Jetzt bin ich fast einen Monat in der Tagesklinik. Am Anfang war es eine grosse Umstellung und auch jetzt noch nicht kann ich auf alle Fragen dort eine Antwort finden.  Jeder sagt mir, dass es Zeit braucht. Aber wie kann ich mich voll auf mich konzentrieren, wenn ich dauernd irgendwelche Probleme mit der Universität und dem Bafög-Amt habe? So will das Amt Unterlagen, die  die Universität nicht geben kann.  Dann muss ich mich darum kümmern, dass die Unterlagen mit einer Erklärung der Universität nicht gegeben werden können. Gleichzeitig will das Amt auch einen Notenüberblick, der allerdings mir von der  Universität nicht vollständig ausgehändigt wurde. Jetzt kann ich wieder mit der Universität Kontakt aufnehmen und die fehlenden Vorlesungen reklamieren. Das ganze ist so mühsam, dass ich irgendwie keine lust mehr verspüre irgendwelche Anträge zu machen. Aber ich brauche in gewisser Weise das Geld. Aber dieses hin und her, Auskünfte da abgeben, Unterlagen dort anfordern. Auf die richtigen Unterlagen warten und sich darum kümmern, dass alle Unterlagen kommen und diese richtig ausgefüllt sind.  Das ist schon eine Herausforderung für normale Menschen. Für mich dauert alles so lange und es wird keine Rücksicht genommen, dass ich nicht mehr belastbar bin. 

Von der Tagesklinik bekomme ich wenigstens etwas Hilfe. Ich kann alle meine Sachen dort machen. Aber das ist gleich mühsam. Sonst hilft mir niemand. Unterstützung von der Universität bekomme ich nicht. Es gibt also keine Stelle, zu der ich hingehen könnte und bei der ich alles klären könnte.  Helfen würde es mir schon wahnsinnig, wenn ich die erforderlichen Unterlagen erhalten würde und die vollständig sind.  

Ich kann auch nicht sagen „ich habe so viel geschrieben während des Studiums. Jetzt möchte ich meinen Abschluss ohne Masterarbeit“. Was nur folgerichtig wäre, denn die Universität arbeitet genau so. Alles im Ansatz okay, aber die Durchführung ist mangelhaft. Ich darf mich wieder mit der Universität auseinander setzen. Das nimmt mir die Kraft, denn ich bin absolut in den Rädern gefangen. 

Deshalb habe ich auch Stimmungsschwankungen. Mal vergesse ich die jetzigen Probleme und gleich am nächsten Tag fühle ich mich überfordert. Selbst darüber zu sprechen ist sinnlos geworden, denn das Problem wird sich erst ändern, wenn ich alle Unterlagen vollständig abgegeben habe und keiner mehr auf die Idee kommt andere zusätzliche Informationen zu verlangen.

Darüber hinaus bin ich jetzt exmartikuliert.  Ich habe den Antrag zu rechtzeitig abgeben, aber die Tagesklinik stellte mir die Bestätigung erst später aus.  Anträge werden allerdings nur vollständig bearbeitet. So konnte ich mich auch damit auseinander setzen. Das Problem war, dass das Terminende der 31.9 gewesen ist, ich am 27.9 in die tagesklinik kam und die Bestätigung dadurch erst am 3.10 erhielt. Im System der Universität war es vermerkt. Also wieder einen Rekurs gestellt. Auch so etwas nimmt die Kraft. Und dabei sollte ich mich erholen und neue Kräfte aufbauen. 

Tagesklinik 

Morgen werde ich meinen ersten Tag in der Tagesklinik haben. Wer hätte das gedacht, dass es passiert? Dass ich einmal so krank sein werde, dass ich nicht mehr arbeiten kann? Ich weiss nicht was auf mich zukommt und was passieren wird. Ich weiss nicht wie die Leute drauf sind. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt. 

Rückblick aufs Semester

Rückblickend war das eines der schwereren Semester, die ich bisher hatte. Im Februar, als ich eine leichte mentale Verschlechterung hatte, ging ich zum psychischen Dienst der Uni. Er meinte ich sollte Einen vierwöchigen Workshop besuchen für Personen,  die depressiv waren aber nicht mehr rückfällig werden wollen. Wartezeit war dafür ein halbes Jahr, weil diese sehr schnell voll sind. Er selber kann niemand mehr aufnehmen.
Es ist so mühsam immer irgendwie um Hilfe zu fragen, aber es gibt niemand. Man fühlt sich schon allein und dann kommt noch Aussichtslosigkeit dazu. Also wartete ich. Aber es ging immer wieder schlechter. Bin eben jetzt.
Dazu kam auch kleine Rückschläge von verschiedenen Versuchen wieder zurück ins Leben zu kommen. Zum einen waren es Ausflüge mit der Uni, in denen ich mich ausdrücklich ausgeschlossen fühlte. Wenn jeder über Jus spricht und bei anderen Themen nach dem man etwas sagte nichts mehr darauf antwortete, ist das Auschluss. Ich bin wirklich nicht besonders sportlich, aber dann auch alles zurück zieht was man macht, ist das auch nicht toll. Man absolut unterschätzt wird.
Ganz eindeutig war es in den Ferien, als ich Geburtstag hatte. Ich hatte Kontakt mit einer Gruppe von Menschen, die sich lieber über ein Treffen unterhielten als mir zu gratulieren. Es war in Facebook einsehbar und ich hatte sie als Freunde hinzugefügt. Zwar kannten wir uns noch nicht so lange, aber ich hätte mich an dem Tag wirklich darüber gefreut. Statt dessen War das Treffen wichtiger. Ich mag Geburtstage nicht so gerne, aber gerade an dem Tag, an dem ich sowieso mit Freunden meines Freundes verbrachte in einer anderen Stadt und ich mir etwas abseits gefüllt habe, hätte ich einfach gerne freundliche Worte aus genau dieser Gruppe erhalten. Von anderen Glückwünsche habe ich mich zwar gefreut, aber die kamen von Personen mit denen ich keinen Kontakt mehr habe. Es War sozusagen nicht das gleiche.
Dann ging mein Handy kaputt und ich war nicht mehr richtig zu erreichen. Einzig allein eine Person aus meinem Nebenjob fragte bei anderen Mitarbeiter nach was bei mir im Moment los ist. Während in der anderen Gruppe keiner auf die Idee gekommen ist mir irgendwie zu schreiben. Etwa ab da ging es mir immer schlimmer. Bin dann auch teilweise nicht mehr aus dem Haus gegangen, weil ich dachte es würde eh keinen Unterschied machen zwischen dort zu sein oder im Haus. Soziale Kontakte waren mein Freund und deren Freunde. Vorlesungen und Seminare waren die Hölle, weil man mich zum einen nicht ernst nahm und zum anderen keiner mit mir sprach. Ganz schlimm fand ich es bei denjenigen mit denen ich sowieso schon mal essen war. Studenten aus dem gleichen Studium, die sich auf Veranstaltungen begrüssen, aber nicht im normalen Leben.
So war das Wochenende relativ entspannt  mit wenig Tiefen. Aber am Montag wurde es wieder schlimmer. Teilweise konnte ich schon in der früh weinen. Das war am Wochenende sehr selten.
Somit war dieses Semester eines, in denen ich sehr selten in Vorlesungen ging.
Vielleicht erwarte ich zu viel von meinem Umfeld. Aber eine solche Ablehnung, die offensichtlich ist, habe ich bis jetzt selten erlebt. Jede Ablehnung war schlimmer. Und die Frage ist, warum sind Freunde meines Freundes teilweise ehrlicher und offener als meine ehemaligen Freunde?, stellte ich mir immer wieder.
Gleichzeitig finde ich es mühsam immer wieder von vorne anzufangen : eine Gruppe suchen, hingehen, Motivation aufbauen für neue Kontakte, diese am laufenden halten und wieder merken, dass es unsinnig und sinnlos war. Es bricht auseinander, eine Person meldet sich nicht mehr oder verschiebt das Treffen bis man keine Lust mehr hat. So sieht man die Person vielleicht ein mal. Bei Veranstaltungen in der Uni, die sowohl von ihr oder dem Studiengang veranstaltet wird, kann ich mich auch mal mit einigen Leuten unterhalten. Merke aber, dass sie mich weder auf der Strasse oder in Vorlesungen ansprechen. Warum weiss ich nicht und sagen wird es mir wahrscheinlich auch niemand.

Integration

Langsam verzweifle ich und frage mich, was ich falsch mache. Vielleicht bin ich zu aufdringlich, zu kommunikativ, zu direkt, spreche von den falschen Dingen oder oder oder.
Warum ist es so, dass Leute im gleichen Studiengang mit denen ich schon auf Events der Fachschaft war einfach ignorieren, wenn man sie auf dem Flur trifft? Dazu zählen auch einzelne Treffen mit dem Seminar. Ganz ganz wenige begrüssen mich und es entsteht ein kleiner Small-Talk. Langsam freue ich mich sogar darüber. Ja, solche Gespräche zeigen mit, dass ich doch reden kann und nicht so ganz anders bin wie andere Leute. Aber was ist mit den anderen, von den gar nichts kommt? Keine Begrüssung oder sonstiges? Absolutes ignorieren in den Vorlesungen oder Seminaren?
Mir ist klar, dass Schweizer schon etwas zurückhaltender sind, aber so zurückhaltend müssen sie dann doch nicht sein. Es ist mühsam immer alleine unterwegs zu sein. Freundschaften und Bekanntschaften zerbrechen, das ist mir auch klar. Aber im Moment fällt es mir einfach immer wieder auf, dass keine Person um mich herum irgendwie Interesse oder ähnliches hätte.
Dieses immer-von-vorne-anfangen ist mühsam.
Ich versuche nett und zuvorkommend zu sein und mich dadurch zu integrieren. Aber ich schaffe es Partout nicht.

Mir wurde auch geraten, dass ich Sport machen soll und es mir dadurch besser geht. Also fing ich erst einmal langsam an. Allerdings auch hier sind die meisten entweder schon mit irgendwelchen Kollegen dort, oder alleine. Das ist wie alleine weggehen. Du siehst Studenten um dich herum, die alle irgendwen kennen und sich sogar begrüssen. Selber steht man daneben und kann nur zusehen. Selbst Bekannte aus dem Studium, mit denen man mal einen Vortrag oder bereits geredet hatte, grüssen nicht mehr.
So macht Sport keinen Spass. Und auch das deprimierte mich mehr, als es wirklich genutzt hat.

Nehmen wir einfach mal den Verein, in dem ich nicht mehr bin. Die ganze Organisation der Vortragsreihe des letzten Jahres war nicht so optimal. Damit habe ich nun Konsequenzen gemacht. Ich habe meine Kommunikation geändert und spreche noch im Imperativ, können, sollte und stelle Fragen wie es zu machen wäre. Somit habe ich mich auf die Kommunikationgepflogenheiten der Schweizer angepasst.

Selbst ich weiss einfach nicht mehr welche Person es wirklich ernst meint. Wenn ich mich über einen Professor aufrege, der wirklich nicht auf meine Fragen antwortet – nach direkter deutscher Art oder Schweizer Art – dann wird mir zugestimmt. Stimmen sie mir zu, weil es Konsens-fördernd ist, oder meinen sie es ernst? Stimmen sie mir zu, weil man dadurch ein Gespräch am laufen hält oder weil sie es wirklich ernst meinen?

Daraufhin meldete ich mich auf Spontacts an. Das ist eine Community bei der man Aktivitäten erstellt und andere Personen sich dazugesellen können. So habe ich mich mit einigen auf ein Cocktail-Abend, fürs Kino, Ausgang und Kaffee trinken getroffen. Alle Personen, die ich dort kennen gelernt habe, sah ich höchstens zwei mal. Auch sind daraus Whatsup-Gruppen entstanden, die zum Ziel hatten sich zu treffen. Allerdings hat man das immer noch vor. Und die absolute gleiche Einstellung war, dass man zwar neue Leute kennen lernen will, aber man alle mal in der Gruppe zusammen sehen will. Keiner übernimmt dabei die Initiative und es soll doch etwas spontan sein. Doch so funktioniert das nicht. Also existieren die Gruppen, aber seit einem halben Jahr hat es zu einem Treffen gereicht. Nicht einmal zwei oder drei. Mehr oder weniger habe ich auch in diesem Rahmen schlechte Erfahrungen gemacht.

Dann ging ich zu Meetup. Das genauso gestaltet ist, aber dennoch auf mehr Unregelmässigkeiten ausgelegt ist. Da habe ich schon noch Leute ein paar Mal gesehen und es formte sich eine Gruppe. Leider existiert diese Gruppe nicht mehr so.

Selbst an der Uni sind alle irgendwie in sich gekehrt und wollen keinen richtigen Anschluss. Viele hatten hier in der Stadt das Abitur gemacht und haben Freunde noch aus dieser Zeit. Andere, wie Erasmus-Studenten oder Verbindungsstudenten, sind sowieso unter sich. Dann bleiben also nur noch Vereine, so dachte ich. Selbst da hat man Schwierigkeiten. Und mir geht es immer schlechter.

Durch dies suche ich also vermehrt online-Kontakte. Die andere Internetseite über Nachhaltigkeit  wird jetzt mehr genutzt werden, wie auch diese Seite. Deprimierend, aber war. Ich versuche einfach wieder, dass es mir besser geht. Und ich merke, dass es mir wirklich besser geht, wenn ich schreibe – über Themen, die nichts mit Uni zu tun haben. Keine 20 Seiten blablabla, dass niemand interessiert und nur dazu da ist um mir eine Note zu geben.