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Freundschaft und Freunde

Am Wochenende war mein Freund und ich auf einer Geburtstagsfest von einem seiner Kollegen eingeladen. Es waren viele Leute eingeladen, Freunde, ehemalige Mitbewohner aus der WG, Freunde aus der Schulzeit und einige mehr. Es war ganz schön und endlich konnte ich wieder andere Leute sehen.
Aber es hat mir wieder gezeigt, dass ich neben meinem Freund niemand habe. Eine Bekannte geht bald nach Österreich und bleibt für einige Zeit dort. Sonst meldet sich niemand mehr anderes auf meine Nachrichten. Alle Kontakte nach der Tagesklinik und von der Tagesklinik sind schon wieder im Sand verlaufen. Aus der Uni kenne ich keine Person, daher kann sich dortige Kontakte nicht melden.
Ich habe mir den Sommer etwas anders vorgestellt. Natürlich wusste ich, dass ich selber einiges alleine machen muss, aber ich dachte ich könnte einen Verein finden. Aber die Vereine, die ich angeschrieben habe melden sich auch nicht. Daher ist alles so mühsam und ich merke wie ich komisch werde. Ich ziehe mich mehr zurück, gehe durch die Gegend ohne wirklich da zu sein. Es ist mühsam immer wieder von vorne anzufangen.
Am gleichen Tag, kurz bevor mein Freund und ich zur Geburtstagsfeier aufgebrochen sind, traf ich Nachbarn mit deren Kollegen. Das hat meine Lauen natürlich erst einmal heruntergezogen. Wie schaffen es andere Menschen so viele Freunde zu haben und mir laufen sie durch die Hand?

Der Master hat ja auch so angefangen: mit einem Zusammenbruch. Auf einmal stand ich alleine da. Nach der Erholung dachte ich auch, ich würde wenigstens mit einem Studenten irgendwas sprechen. Doch man kann noch so offen sein, wenn kein Feedback kommt, dann hilft die grösste Offenheit nichts. So kam ich schon in festgefahrene Kontakte, was es umso schwieriger macht Leute kennen zu lernen. Vielleicht gehe ich zu offensiv auf andere Menschen zu und die sind überfordert? Ich weiss es nicht.

Aber ich merke, wie ich etwas unternehmen will und vergangenes nachholen. Ich war noch nie auf einem Festival, würde gerne wieder tanzen und in den Ausgang gehen, möchte mit Freunden wandern gehen, mit Freunden ins Schwimmbad… einfache Sachen nichts aussergewöhnliches. Ich will noch nicht einmal verreisen. Ich hatte noch nie eine Clique. Jemand, der mich anruft oder schreibt wie es mir geht ohne etwas zu wollen. Eine einfache Nachricht wie ich wünsche dir einen schönen Tag. Ich hatte hätte gerne einfach Freunde um mich herum.
Ich habe auch so viel verpasst was mir jetzt fehlt. Eine Vergangenheit und eine unbeschwerte Jugend.

Mit allen eingeladenen Personen von vor drei Jahren habe ich kein Kontakt mehr. Eine davon hat etwas hinter meinem Rücken mit einem Kollegen von mir angefangen, von dem sie wusste ich finde den toll. Bzw. er wollte etwas von ihr, da er mich nicht haben wollte oder konnte und sie war bereit. Sie hat sich verliebt und ich sagte zu ihr, dass er nur etwas loses haben will. Ich war ehrlich. Zwei andere haben sich einfach nicht mehr gemeldet. Andere waren meine ehemaligen Mitbewohner.
Nach der Tagesklinik baute ich mir Kontakte auf, aber die zerflossen wieder. In der Uni habe ich mich unwohl gefühlt. Es herrscht einfach eine tiefe Einsamkeit in meinem Herzen. Ich weiss nicht wie ich wieder rauskomme.

Demotivation

Nachdem Semesterferien sind muss ich zwei Arbeiten für die Uni schreiben. Eigentlich nichts neues, aber ich befinde mich gerade in einem längeren Motivationstief. Das hält schon etwas länger an und ich weiss nicht so genau wie ich daraus komme. Die Arbeiten werde ich fertig stellen, aber es nimmt mir so viel Kraft. Ich brauche so viel Kraft um mich überhaupt zu überwinden irgendwas zu schreiben.
Das liegt nicht am Thema, das liegt nicht am Wetter, das liegt am Allgemeinen. Diese Arbeit wird, wie praktisch alle bisher geschriebenen, nur der Professor oder eine Assistentin lesen. Danach versauert sie in irgendeinem Schrank, bis sie weggeworfen wird. Niemand anderes hat dazu Zugang. Das ganze dient dazu, dass ich Noten bekomme und der Professor sieht, dass ich mich an die Formalien halte, recherchieren, schreiben und damit meine Argumente richtig ausführen kann. Alles verständlich.
Nebenbei denke ich immer mal wieder an Vorträge, die man halten muss, aber keinen Studenten interessieren. Ich gebe mir immer sehr viel Mühe, dass die Folien nach etwas aussehen und Bilder vorhanden sind. Und dann steht man vor einer Gruppe, die aus dem Fenster sieht oder sich wie Puppen in einer Stuhlreihe verhalten. Niemand antwortet, auch nach längerem warten nicht. Da habe ich das Gefühl zu trainieren wie früher. Als ich noch keine grosses Training hatte, übte ich vor Stofftieren und Puppen. Die haben mir genauso zugehört wie die Studenten in meinen Seminaren heute.
Einmal hatte ich ein zweisprachiges Seminar, in dem der Professor eine Frage stellte und der Vortragende die Frage auf der anderen Sprache nicht verstand.
In der Bibliothek habe ich das Gefühl, dass man dort lernt um zu zeigen, dass man lernt. Es ist wichtiger länger zu bleiben als andere. Da fängt der Konkurrenzgedanken schon an.

All dies zieht meine Motivation herunter. Leider kann ich auch darüber mit niemand reden, denn Kontakte zu Mitstudenten konnte ich nicht aufbauen. Ich kenne niemand wirklich aus den zwei Seminaren, in denen ich diese Arbeiten schreiben muss.

So würde ich mir wünschen, dass meine Fähigkeiten wahrgenommen und mein Wissen oder meine Intelligenz nicht in frage gestellt wird. Es ist mühsam oft genug alleine eine Stellung zu behalten und die auch noch vor Mitstudenten zu verteidigen. Nach dem Seminar geht jeder seines Weges, sodass nicht nachgefragt werden kann um eine weitere Meinung. Da ist die Einstellung „Ist doch egal, Seminar ist vorbei. Ich mach das eh nur für die Note“.
Ich lerne irgendwas für irgendwelche Prüfungen und vergesse den Grossteil sowieso. Dazu ist das grobes Wissen, das nicht in die Tiefe geht. Allgemeines Wischiwaschi. Grundlagen sind auch wichtig, aber in einem Seminar über Medien und Demokratie will ich nicht wissen was Demokratie ist. Ich will mich nicht zwei Stunden unterhalten über Demokratie und zwei weitere wie diese in anderen Ländern nicht vorhanden ist. Das habe ich in einem anderen Seminar viel spezifischer und tiefgreifender.
Ich weiss, dass Universität theoretisch ist. Darüber spreche ich aber im Moment nicht. Es geht mir im Moment über die Themen.

Mir fehlt auch das Gemeinschaftliche. Jede ist irgendwie Einzeln, bei Freundschaft ist es nur ein Zweck oder ein Ziel. Da sind zwei Punkte, die mich stören: viele Studenten befreunden sich durch eine Zweckbeziehung miteinander. Der Zweck ist, dass man das gleiche studiert, die gleichen Probleme durchmacht. Geht es um Praktikumssuche, Notenvergabe hat man direkt mit der Freundin eine Konkurrenz. Hat sie die bessere Note, hat sie das bessere Praktikum? Hat sie die schönere Wohnung später?
So bin ich nicht. Wenn jemand aus meinem Freundeskreis ein tolles Praktikum bekommt, freue ich mich. Natürlich denke ich ab und an, warum nicht ich. Aber das ist normal. Ich würde nicht so weit gehen, nicht mehr mit ihr befreundet zu sein. Mir ist auch egal was sie macht, Hauptsache ist es gefällt ihr und sie kann die Miete bezahlen. So ist es mir egal, ob wie in der Rüstungsindustrie oder in der Klopapierherstellung.
Aber so funktioniert unsere Gesellschaft nicht. Jeder besinnt sich auf sich selber, mag vorankommen, denkt an sich und wird individualistischer.
So bin ich leider nicht, und ich weiss nicht wie ich es ändern kann. Anpassen muss ich mich wahrscheinlich so oder so.
Die andere Frage ist, wie bekomme ich in so einer Einstellung wieder Motivation weiter zu machen?

Der typische Schweizer

Was ich während dem letzten Semester gelernt habe:

  1. Studenten untereinander und Nicht-Studierte verhalten sich komplett anders. Studenten sind oft abweisend zu Leuten, die mehr wissen, mehr sagen, anders sprechen; nehmen weniger Rücksicht; gesellen sich zu gleich und gleich: gleicher Kanton, gleiche Stadt, gleiches Studium mit gleichen Noten und Einstellungen; Studentinnen beobachten kritisch ihre Studentinnen und schliessen schneller andere Studentinnen aus. Dies führt zu einem hohen Konkurrenzdruck und Grüppchenbildung von Studentinnen.
  2. Studenten und Studentinnen verhalten sich komplett anders. Studentinnen eher auf Ausschluss und Neid, Studenten helfen sich und bauen Leitern um besser voranzukommen
  3. Medienstudenten sind meist Frauen, damit ist das Grüppchenbilden und der Neid noch weiter verbreitet
  4. Medienstudentinnen sind oft nicht an dem Fach interessiert, sondern um irgendwas zu studieren um irgendwas zu arbeiten. Während dem Studium wird oft beim Vater mitgearbeitet
  5. Ich bin keine typische Medienstudentin, denn ich interessiere mich für mein Thema. Ich lasse es nicht heraushängen, wenn ich teuer irgendwas gekaut habe, in welcher Wohnung ich wohne und reduziere mich nicht darauf welche schlechte Note ich geschrieben habe. Ich will wirklich gut sein, in dem was ich mache. Das führt allerdings zu Neid.
  6. Komme daher besser mit männlichen Studenten zurecht. Sie sind einfacher, man kann sagen was man denkt, Diskussionen sind erwünscht, Meinungen erforderlich. Das führt wiederum zu Neid bei Studentinnen.
  7. Für mich ist das Studium ein Dschungel mit Haien, schnellem und langsamen Wasser.
    Während dem letzten Semester lernte ich nur eine männlichen Student kennen und wir machen zusammen ein Projekt.
    Aus der Gruppe der weiblichen Studentinnen bin ich ausgestiegen, da ich mich absolut nicht behaglich fühlte. Es war eher so etwas wie unterschwelliges Mobbing.
  8. Medien und deren Theorie interessiert mich, aber die Vorlesungen haben überhaupt keine grosse Tiefe. Man lernt noch einmal den Zusammenhang von Politik und Medien und die Beeinflussung. Das ganze ist zwar auf englisch, aber das Niveau ist nicht besonders hoch.
  9. Ich bin mit Medien nicht zufrieden, obwohl es mich wirklich interessiert. Das ist das grosse Dilemma.
  10. Jeden Tag überall alleine zu sein schaffe ich auch nicht. Alleine essen, kein sozialer Kontakt zu anderen Personen während der Vorlesungspause, kein Bedarf an neuen Leuten, keine Diskussion des Inhaltes, keine weitere Diskussion bei Abbruch während der Vorlesung.
    All dies hätte ich mir gewünscht. Doch niemand gefunden, der das auch so sieht.

Die Lektion daraus ist, dass ich zwar gerne lerne es mir vom Umfeld schwer gemacht wird. Ich passe in das ganze Umfeld mit meinem Denken nicht hinein. Ich lasse mich vom Umfeld mitziehen und beeinflussen.
Meine Laune ist direkt nach dem Semester nach oben gegangen, ich bin positiver, ich lache mehr und offener. Gerne hätte ich das so während des Semester behalten.